BioMed Klinik Bad Bergzabern

Am Montagfrüh vergangener Woche ging es für mich zu meinem geplanten Aufenthalt in der BioMed Klinik in Bad Bergzabern und ich war sehr gespannt, was mich denn so erwarten wird in den kommenden Tagen.

Die ersten Gespräche im Haus waren sehr angenehm, dass Personal durchweg sehr freundlich und kompetent und half über den ersten optischen Eindruck durch die Klinik und Zimmer wettzumachen. Die Klinik ist in zwei Gebäuden untergebracht, mein Zimmer befand sich im sogenannten Gebäude 8, in dem hauptsächlich gesetzlich versicherte Patienten untergebracht sind.

Meine Zimmergenossin für die nächsten Tage erwies sich auf den ersten Blick als sehr sympathische junge Frau, mit der ich eine gute Zeit verlebte.

Die Anamnese durch unseren Facharzt erfolgte sehr umfassend und für die nächsten Tage wurde ein individueller Behandlungsplan für jede von uns erstellt.

Herr Dr. S schlug mir vor, da ich ja nun mal schon die lange Anreise nach Rheinland Pfalz angetreten hatte, zwei Ganzkörperhyperthermien auf prophylaktischer Basis durchzuführen und nicht nur eine, wie mir telefonisch empfohlen wurde. Dadurch verlängerte sich mein Aufenthalt um einen Tag in der Klinik.

Am nächsten Tag sollte direkt mit der ersten begonnen werden, die zweite wurde für Donnerstag angesetzt, da immer ein Tag zur Erholung zwischen zwei Anwendungen liegen sollte.

Dafür erhielt ich am Mittwoch eine Lymphdrainage und am Freitag zum Abschluss vor meiner Heimreise eine Massage und Narbenbehandlung, da meine Brustnarbe immer noch Behandlungsbedürftig auf die Therapeutin wirkt( meine neue LD-Therapeutin Zuhause vor Ort behandelt diese nicht mit, da muss ich wohl mit ihr drüber reden - Rebecca, ich vermisse die Stunden mit dir!) und fleißig wie ich bin, hab ich Mittwochs das Material für meine erste Lesung ausgewählt und geprobt...

 

Am Dienstag hieß es früh aufstehen und mit einem langärmeligen Baumwollnachthemd bekleidet ging es für mich in das zugewiesene Zimmer, zwecks meiner ersten Fieberbettbehandlung.

Ich wurde angewiesen mich in ein Bett zu legen über das eine Apparatur geschoben wird, ähnlich einem Homesolarium.

Rektal wurde mir als erstes ein Fieberthermometer/-sonde eingeführt( gibt schlimmeres, klingt nur schräg), eine Branüle für eine spätere Kochsalzinfusion wurde in meine arme Handvene gelegt( weil Armvenen sind futsch) und mein Körper wurde locker mit weißen Tüchern abgedeckt um zu verhindern, dass auf der Haut eine eventuelle Verbrennung durch die Lampen erfolgt. An mein Ohrläppchen wurde ein Kontroller zwecks Herzfrequenzüberwachung geklemmt und dann ging es eigentlich schon los.

Dicke Folien, innen silbern ausgeschlagen, wurden um mein Bett hochgezogen und mit der Apparatur über mir verbunden, sodass ich wie in einem überdimensionierten Brutkasten lag, aus dem nur mein Kopf herausschaute und die Lampen entfalteten schon bald nach und nach ihre Wärme und entlockten meiner Haut erste Schweißperlen.

Neben mir wurde eine weitere Patientin der gleichen Prozedur unterzogen und die Pflegerin kümmerte sich in den kommenden Stunden ausschließlich um uns.

In regelmäßigen Abständen wurden Blutdruck und Sauerstoffgehalt gemessen, ausströmender Schweiß wurde von Köpfen entfernt, Getränke gereicht, da es kaum möglich ist sich selbst zu versorgen, da Hände und Arme bestmöglich im Wärmebett verbleiben.

Am angeschlossenen Funktionsmesser ließ sich wunderbar verfolgen, wie die Körpertemperatur langsam aber stetig stieg.

Ziel ist es in der BioMed Klinik, über zwei Stunden eine Körpertemperatur von ab 38,5° zu erreichen und zu halten. Das klingt erst mal recht einfach, aber nahezu bewegungslos in einem Kasten eingesperrt zu sein, kann zwischendrin durchaus zur Qual werden. Wenn es einem in der Sauna über kurz oder lang zu viel wird, steht man auf und geht. Das ist hier halt nicht möglich. Die Wärme muss ausgehalten und kompensiert werden. Das ist anstrengend für Herz und Kreislauf, auf Grund dessen im Vorfeld auch ein EKG. Die Behandlung dient aber grundsätzlich dazu, dass Immunsystem zu stärken( sicherlich auch eine hervorragende Entgiftung bei dem was man in der Zeit an Schweiß verliert – und nein, der Schweiß stinkt auch nicht) und wir Onko - Patienten benötigen bekanntlicher Weise dringend ein starkes Immunsystem. Man hat herausgefunden, dass Tumore/-zellen empfindlich auf Wärme reagieren und diese so gar nicht mögen und dieses Prinzip wird hier in unterschiedlicher Form angewendet. Ebenso können Fatiquebeschwerden oder wie auch bei mir die Beschwerden durch die Polyneurophatie gelindert werden.

So finden sich Patienten mit unterschiedlichsten Krankheitsstufen in der Klinik.

Viele lassen sich zu ihrer klassischen onkologischen Behandlung wie Chemotherapie, Bestrahlung und Operationen begleiten oder aber auch, wenn Patienten die klassischen Behandlunsmethoden für sich aus den unterschiedlichsten Gründen ablehnen oder gar jemand als austherapiert gilt.

Wenn nun zB. jemand Metastasen in seiner Leber entwickelt hat, kann das Tumorbett mit einer Teilerwärmung mittels Radiowellen zielgerichtet behandelt werden – dabei entstehen Temperaturen in diesem von über 42°. Das tut nicht weh und ist von einer leichten Müdigkeit abgesehen, recht Nebenwirkungsarm. Stört den Tumor oder Tumorzellen jedoch empfindlich, da deren Blutversorgung gestört wird...

 

Als mein Körper eine Temperatur von 39,5° erreichte, war ich bereits zwei Stunden in der erstrebten Körpertemperatur Zeitspanne und die Apparatur über mir konnte ausgeschaltet werden und wurde weggeschoben. Dafür wurde ich in eine dicke Decke gehüllt und die Folien zusätzlich um meinen Körper geschlagen. Ziemlich schwer, der Kokon um einen herum.

Für mich wurde es ab diesem Zeitpunkt richtig anstrengend, weil mein Körper eine weitere Temperatur von 39,8° entwickelte, eher er langsam abkühlte. Ab da schlief ich eigentlich nur noch, weil das wirklich sehr anstrengend ist. Irgendwann wurde die schwere Folie entfernt und eine Kochsalzlösung an die Branüle geschlossen, ehe ich am frühen Nachmittag in mein Zimmer zurück gebracht wurde und den Rest des Tages im großen und ganzen verschlief.

Zur Belohnung gab es einen sehr leckeren und liebevoll angerichteten Obstteller, den ich zwischendrin in meinem Schlafwahn vertilgte und am Folgetag gab es Vormittags eine weitere Kochsalzlösung, ehe am Donnerstag die zweite Behandlung lief, die ich wesentlich besser vertrug als die erste, wenn auch nicht weniger anstrengend und ich mich zwischendrin durchaus selbst fragte, warum ich das Ganze überhaupt mache und am liebsten Zähne klappernd Reißaus hätte nehmen wollen.

 

Fazit: Durchaus empfehlenswert; empfohlen wurde mir von ärztlicher Seite eine Wiederholung des Ganzen in einem halben Jahr und da ich weiterhin keine REHA machen möchte, werde ich dies wohl auch tun.

Weil ich überzeugt bin, dass mir diese Art von Behandlung gut tut. Angedacht von mir nach einem ganz ähnlichen Schema wie diese Woche: Zwei Ganzkörperhyperthermien in fünf Tagen, dass ist gut durchzuziehen für mich, bin ich zum Glück ansonsten gesund und verbinde das Ganze evtl mit einem Wochenendbesuch in Straßburg, gilt es auch dort endlich alte Gespenster zu vertreiben und überholte Erinnerungen mit neuen schönen Farben zu überzeichnen!

Viele Patienten sind zwischen 8-10 Tage in Bad Bergzabern und stellenweise in wesentlich kürzeren Abständen vor Ort.

 

Ach ja, für manch einen sicher auch von großem Interesse: das Essen ist lecker - morgens und abends gibt es ein kleines Buffet, immer alles frisch! Auf das Mittagessen habe ich gerne verzichtet, weil es mir im Speiseraum von der Luft her zu stickig war und zu durchdringend nach Küche und Essen roch und zuviele Menschen auf kleinem Raum - bin da einfach zu empfindlich und schneubisch - man kann sein Mittagessen aber gerne mit auf sein Zimmer nehmen in dem Fall wurde mir freundlicherweise im Nachhinein angeboten...

 

Meine Rückenschmerzen, die sich in den letzten Wochen dank nasskaltem Wetter wieder einstellten und mich Erfahrungsgemäß der letzten Jahre den Winter über hindurch begleiten, sind nahezu weg nach der ersten Behandlung( vermutet wird in Kombi mit der Polyneurophatie eine Fibromyalgie, darf ich Orthopädisch auch noch abklären lassen – kotz und würg – was es alles gibt) und meine Schmerzen in den Füßen durch die Polyneurophatie haben in Kombination mit der Hochtonfrequenztherapie noch mal eine Verbesserung erfahren.

Jetzt hoffe ich, dass dies lange anhält...

 

Liebste Grüße

Euer Frollein Wunderfein

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