VIII

 

 Zuhause angekommen nach meinem Termin beim Radiologen, lese ich mir den Operationsbericht und auch den bereits zur Seite gelegten Arztbrief der hiesigen Brustambulanz durch, der nach der zweiten Clipmarkierung erstellt wurde. Beim Lesen dieses Berichts habe ich das Gefühl von einem Zug überrollt zu werden und mag meinen Augen nicht trauen.

 Die Radiologin, die nach der zweiten Clipmarkierung die Kontrolluntersuchung der Mammographie ausgewertet hat, rät dringendst zu einer Vakuumbiopsie, da sich das bislang als harmlos eingestufte Kalkfeld nun als DCIS darstellt. DCIS - das ist eine Krebsvorstufe! Ich bin fassungslos, wieder einmal!

 Umgehend rufe ich in der Brustambulanz an, um mir von Frau Dr. G erklären zu lassen, warum ich über diese Veränderung nicht informiert wurde? Die Mammographie und die Erstellung des Arztbriefes erfolgten schließlich Ende Juni, also vor ZWEI Monaten! Frau Dr. G fragt mich, wie ich an den Bericht habe kommen können, da sie diesen noch nicht erhalten hätte und ich ja wüsste, dass ich zu den zwei Tumoren, ein Kalkfeld hätte. Der Radiologin sei bei der Auswertung sicher ein Fehler unterlaufen. Sie würde sich kundig machen und mich im Laufe des nächsten Tages anrufen. Ich fühle mich entsetzlich hilflos und versuche die Fassung zu wahren. Ein Gedanke huscht mir durch den Kopf: „Es ging mir trotz allem mental zu gut in den vergangenen Wochen. Da hast du nun deine Retourkutsche. Ich WUSSTE, dass ich diesem vermeintlich harmlosen Kalkfeld in mir besser nicht trauen sollte, entgegen dem, was mir die Ärzte sagten. Ich WUSSTE es:

 

,,SCHEISSE!!!“, brüllt es in mir...

 

 Am nächsten Tag erfolgt der versprochene Rückruf von Frau Dr. G. Zusammen mit der Radiologin hat sie die entsprechende Mammographie, erneut ausgewertet. Es stellt sich nun tatsächlich so dar, dass sich das Kalkfeld unter der Chemotherapie soweit verändert hätte, dass sich ein Hinweis auf den Abbau von Krebszellen finden lässt. Gelegentlich passiert dies unter einer Chemotherapie. Sie hofft für mich, dass sich nach weiteren Untersuchungen dieses Feld doch noch als harmlos herausstellen wird. Nun ist es so, dass Frau Dr. G in der Vergangenheit zu oft für mich hoffte und sich jedes Mal eben doch das Gegenteil bewahrheitete. Mit ihrer Hoffnung für mich komme ich somit nicht weit. Ich benötige Fakten, anhand derer ich die entsprechenden Entscheidungen treffen kann.

 

Es geht um mein weiteres Leben und um nichts anderes...

 

 Drei Tage vor der Brustoperation würde man eine Vakuumbiopsie an mir vornehmen und am Tag der Operation alles weitere besprechen, lautet an dieser Stelle ihr Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise. Auf meine Frage, wenn sich der Verdacht anhand der Mammographie bewahrheiten sollte, ob mir meine Brust nun doch amputiert werden müsse, hieß es von ihr nur: „Generell ja!“

 Das Telefonat schockiert mich zutiefst. Mein errichtetes Kartenhaus der vergangenen Wochen, stürzt in sich zusammen. Ich schreie meine Not und Qual aus mir heraus! Nachdem ich mich soweit gefangen habe, dass ich die Beherrschung über meine Stimme wieder erlangt habe, vereinbare ich umgehend einen weiteren Termin im Frankfurter Brustzentrum.

 Ich fühle mich schrecklich verunsichert und allein gelassen in einem Becken voller Haifische, die mich auffressen wollen. Voller Ohnmacht rufe ich meine jüngste Schwester an und beginne vor lauter Grauen und Schmerz, zu weinen. Ich erzähle ihr von dem Rückruf der Klinik und dass ich nicht verstehe, warum man mich nicht direkt über die Veränderung in meiner Brust informierte.?! Dass die Brustamputation nun wahrscheinlich sei und dass sich die letzten Monate anfühlen, als wenn alle Qual umsonst war! Ich fühle mich als Mensch und als Patientin nicht wahrgenommen! Es geht doch um MEIN Leben! Ich habe doch nur dieses eine! Warum wird es dann so banal abgehandelt?

 Die Amputation meiner Brust, steht nun nicht mehr als spielerischer Gedanke zu meiner Sicherheit im Raum, sondern ist ein realer Fakt. Der geplante Ablauf der kommenden Monate ist komplett in Frage gestellt, mein Gerüst an dem ich mich entlanghangelte, verliert an Gültigkeit. Meine kleine Schwester versucht mich mit Worten zu beruhigen, die Ablehnung in mir hervorrufen. Ich fühle mich unverstanden und hilfloser als je zuvor.

 Brücken stürzen ein, Vertrauen geht zu Bruch. Klar sei das Verhalten der Ärztin nicht in Ordnung, gibt sie mir Recht, dafür hätte ich aber schon eine neue Klinik gefunden, in der ich mich weiter behandeln lassen möchte. Meine Brust zu verlieren, sei doch nicht wirklich schlimm. Sei ja schließlich kein Arm oder Bein. Vielleicht sollte ich auch endlich mal gut sein lassen und darauf vertrauen, dass die Ärzte schon die richtigen Entscheidungen für mich treffen? Und überhaupt, dass ich immer nach Lösungen würde suchen wollen und immer so verdammt stark sei. Vielleicht sollte ich einfach mal gut sein und alles auf mich zukommen lassen? Sie gibt mir den erneuten Rat, mir eine Heil-CD einer bestimmten Dame zu Meditationsübungen zu kaufen und mir die Baustellen meines Lebens genauer anzuschauen.

 Ich schlucke bei ihren Worten und gehe innerlich auf Distanz und beende dieses Gespräch. Ich versuche, ihre Ansicht zu verstehen. Ich weiß, dass meine Schwester Angst um mich hat. Mir ist auch bewusst, dass der Verlust einer Brust leichter zu verschmerzen sein wird als der Verlust eines Arms oder Beins im täglichen Einerlei. Das ich für mich lernen werde mit einer Brustamputation zurechtzukommen, steht außer Frage, soweit kenne ich mich gut genug. Die Vorstellung meine Brust zu verlieren, ist für JETZT, für genau DIESEN Moment, einfach nur der blanke Horror für mich!

 Es geht dabei nicht einzig und alleine darum, meine Brust zu verlieren. Es geht um mein Leben, um meine Zukunft. Es geht darum, dass ich mich mit der Diagnose Krebs konfrontiert sehe, die alles was meine Person ausmacht, kosten kann. Dass ich wieder einmal vor Entscheidungen stehe, die keiner für sich fällen möchte. Dass ich seit Monaten unter einem unglaublichem Stress stehe, trotz aller mentalen Stärke, die in mir ruht. Das scheint so manch einer aus meinem Umfeld zu verdrängen. In mir ruht eine tiefe Gewissheit dessen, wie das Ergebnis der Biopsie ausfallen wird. 

 

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 In dieser nahezu schlaflosen Nacht, wünsche ich mir erneut in eine Zeit unseres Lebens zu kommen, die sich nach den langen und schweren Jahren, wie ein ruhiger Fluss anfühlt. Den Krebs hätte ich wahrlich nicht benötigt, um mir meines Lebens bewusst zu sein. Ich sehe mich nicht als Opfer der Umstände. Ich meine nur, es reicht. Justin und ich haben genug mitgemacht. Ich versuche darauf zu vertrauen, dass alles gut werden wird. Der Weg ist ohnehin beschritten, eine Umkehrmöglichkeit gibt es nicht. Glück, Liebe, Lachen im Übermaß wünsche ich mir sehnlichst. Ohne Wenn und Aber, mit aller Wertschätzung für die kleinen Dinge im Leben, die dieses erst so wertvoll für mich machen.

 Als Person bin ich sicherlich alles andere als perfekt und in den letzten Monaten für manch einen schwer auszuhalten gewesen, vor allem für meine engste Familie. Für mich stellt sich jedoch zunehmend in einigen Konflikten sehr vieles klar dar. Ich mag in mancher Richtung auch keine großen Kompromisse mehr eingehen, da es mich zu viel Energie kostet, die Balance zu wahren. Es ist schon nicht immer leicht im Kuriositätenkabinett zu leben und als solches betrachtet zu werden. Zumindest habe ich manches Mal den Eindruck, dass mein Sohn und ich in der Familie, diesen Nischenwinkel besetzen. Justins und meine Lebenssituation, erzeugt bei einigen Hilflosigkeit im Umgang mit uns. Ich betrachte es nur zunehmend nicht mehr als meine Aufgabe, dieses Ungleichgewicht auffangen zu wollen.

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 In den letzten Wochen fällt mir das Zuhören zunehmend schwerer. Meine Konzentration lässt auf Grund der Chemotherapie, mittlerweile gewaltig nach. Ich habe Wortfindungsstörungen und manch anderes skurriles Problemchen, meiner kognitiven Fähigkeiten. Mitten in einem Satz vergesse ich den zweiten Teil, mir entfallen Namen, ich verhaspele mich an den unsinnigsten Stellen und rede scheinbar völlig wirres Zeug, welches mir sinnig erscheint. Ich halte einen Gegenstand in meiner Hand und kann nicht benennen, was ich in dieser halte. Teilweise alles sehr verwirrend und beängstigend. Und dann werden Äußerungen und Erwartungen von meinem Umfeld an mich gestellt, die mich zunehmend verstören und meine Sichtweise grundlegend verändern sollten.

  • Dabei mag ich von niemandem ungefragt mehr hören, dass ich mir mein Schicksal vor meiner Geburt selbst ausgesucht hätte. Ich mag nicht mehr hören, dass man ja wüsste, dass ich in den letzten Jahren zu viel Verantwortung getragen hätte und ich auf Grund dessen krank wurde. Ich krank wurde, weil ich immer alleine gewesen sei oder Probleme mit meinem Frausein hätte.
  • Wohingegen die Eostheriker unter ihnen mir erzählten, dass ich nie alleine sei, da meine Engel oder was auch immer um mich herum fliegen, mich liebevoll auffangen und mir stets zur Seite stehen. Dass ich mich besingen lassen solle, von wer weiß wem, um meine inneren Heilkräfte zu aktivieren und um meine alten Konflikte innerhalb der Familie zu bereinigen und Familienaufstellungen nutzen solle, um gesund zu werden (Und alle, die dir versprechen dich Heilen zu wollen oder bei dem Gesund werden unterstützen möchten, erwarten erstaunlicherweise VIIIIIEL Geld für ihre himmlische Leistung. Geschenkt, bekommst du auf diesem Weg nicht viel. Sehr suspekt wirkend auf mich in seinem Ganzen und stellenweise sicherlich ein sehr gefährliches Werkzeug. Zumindest für einen verängstigten und naiven Menschen, der sich blind in diese Spirale begibt. Nur meine Meinung zu manch obskuren Wunder- und Geistheiler Theorien.)
  • Während meiner Behandlung lassen mich Personen wissen, dass sie meine Erkrankung als eine Möglichkeit der persönlichen Reifung für sich betrachten. Komisch, dabei lasse ich ihnen auf Grund ihrer Einstellung in Bezug zu meiner Erkrankung, noch nicht mal mehr Anteil nehmen, weil sie mich zu viel Energie kosten. Was solls - ich wünsche ihnen viel Erfolg dabei!
  • Ich trage auch KEINE Schuld daran, an Krebs erkrankt zu sein. Nur warum gibt es immer wieder Menschen, die einem scheinbar Nahe stehen und mich dies unbedingt wissen lassen wollen? Für sie, die „Gesunden“, ist die Vorstellung einfacher, dass der Erkrankte in seiner Vergangenheit dies und das Falsch gemacht hat, aber für MICH und viele andere die schwer Erkrankt sind, ist es eine nahezu unzumutbare Last, die uns aufgebürdet wird und uns stellenweise zerbrechen lässt. Und wir haben mehr oder weniger ALLE, unsere Lebensaufgaben. Ob mit oder ohne Erkrankung, für die es viele Ursachen geben kann.

 Speziell Brustkrebs ist eine vielschichtige Erkrankung, die sehr individuell auftritt und sich dementsprechend in den Therapien und Prognosen einer jeden Betroffenen unterschiedlich auswirkt. Das scheint niemand hören oder ansatzweise verstehen zu wollen. ICH möchte ihn verstehen, den Krebs in mir. Damit ich ihm besser Paroli bieten kann.

 Darüber hinaus bin ich jemand, die auf sich zu achten vermag, die gut hinschauen kann, sensibel, eigensinnig bisweilen und sicher alles andere als perfekt und dennoch erneut unendlich viel Kraft mobilisiert, um in dem Fluss Namens Krebs, nicht unterzugehen. Ich bin stark und doch auch bedürftig. Beides in einem. Meine Stärke betrachte ich als eines meiner wichtigsten Werkzeuge im Leben. Denn wer sollte sonst stark sein, für mein Kind und mich? Ich bekomme seit vielen Jahren von unterschiedlichsten Seiten tiefsten Respekt gegenüber meiner Kraft und meinem Mut ausgesprochen, wie ich unseren Lebensweg bewältige. Nicht nur von Freunden und Wegbegleitern. Das Justin und ich zwei besondere Menschen seien - ohne Wenn und Aber. Werde als beeindruckende und lebensbejahende Frau betrachtet, mit einem ganz eigenen Blick auf das Leben. In meiner Familie hingegen, gelte ich meist als Spaßbremse. Ich war schon immer die ruhige und zurückgenommene Person in ihrer Mitte.

  • Ich mag von niemandem mehr hören, dass es zu meiner Entlastung doch das Beste sei, Justin in ein Internat zu geben. Andere Familien mit behinderten Kindern hätten diesen Weg beschritten und dabei bemerkt, dass sie diesen Weg doch schon viel eher hätten wählen sollen. Es ist unbestreitbar die richtige Entscheidung für jemand anderes. Für mein Kind und mich, fühlt sie sich falsch an. Ihre Vorstellung für meinen Sohn, verletzt sehr. Sie meinen es nur gut, aber es lässt mich ahnen wie mit Justin umgegangen wird, wenn ich nicht mehr sein sollte. Für alle anderen Kinder in der Familie, würde solch ein Vorschlag in einer Notzeit ihr Zuhause zu verlassen, sicher NIEMALS erwogen werden...

 Falls meine  Erkrankung fortschreiten sollte, wird immer noch Zeit genug sein, für Justin ein zweites Zuhause zu finden. Aber nicht zum jetzigen Zeitpunkt, der trotz aller Anstrengungen und Unsicherheit überschaubar sein wird an zusätzlicher Belastung. In der kommenden Zeit für „Danach“, werde ich weiter sehen können. Aber nicht jetzt!

 

 Es belastet mich immens, dass Justin in der Ferienzeit ausschließlich von der Lebenshilfe zu meiner Entlastung betreut wird. Er wird dort wunderbar und liebevoll aufgefangen, keine Frage. Viele Dinge, die unseren täglichen Ablauf ausmachen, sind mir derzeit einfach nicht möglich. Zum einen habe ich sehr viele Termine und zum zweiten setzt mir die Chemotherapie zusehends zu. Mein an die Familie ausgesprochener Wunsch, Justin gelegentlich abzuholen und ihm ein wenig Abstand von meiner Erkrankung zu schenken und ihm zu zeigen, dass das Leben trotz meiner Erkrankung immer noch schön ist, verhallt ungehört.

 Auf meine Einwände heißt es nur, dass Justin mehr erleben würde als manch andere Kinder und er derzeit und in der Vergangenheit von mir oft genug verwöhnt worden sei. Versprechen, mit ihm Ausflüge zu unternehmen oder am Wochenende für einige Stunden abzuholen, verwehen wie in einer lauen Sommerbrise. Es wurde zwar vernommen, aber nicht verstanden. So bleibt es bei diesem einen Ausflug im August auf dem Main. Das waren meine Wünsche an meine Familie, mich während der Chemozyklen zu unterstützen. Das Justin aufgefangen sein mag im Kreis der Familie und wir beide die Möglichkeit haben, mit ihnen gemeinsam Zeit zu verbringen. Wir alle zusammen als Familie! Mein Wunsch, meinen Sohn in der Familie aufgefangen zu wissen, war wohl einfach zu viel gewollt...

 So vermute ich, dass man mich im kommenden Jahr aus dem Familienkreis wissen lassen wird, dass man mich an mancher Stelle nur hätte erzählen lassen, weil ich ja krank gewesen sei und manches Verständnis sich im Nachhinein als Heuchelei herausstellen wird. Meine Vermutung sollte sich im folgenden Jahr tatsächlich bestätigen. Sprachlosigkeit stellt sich ein, Resignation. Ich beginne mich zurückzuziehen und möchte mich schützen. Ich benötige Ruhe,  Geborgenheit und mag liebevoll aufgefangen sein und nicht das erhalten, was man mir zu geben bereit ist. Ich möchte keine Vorwürfe mehr hören, dass ich bin wie ich bin - eben unverständlich anders als sie...

 

 Welch ein Glück, dass ich Freunde habe, mit denen ich zusammen weinen und lachen kann. Die Justin und mich liebevoll auffangen und das Gefühl vermitteln, mit all meinen Gedanken und Wünschen richtig zu ticken und Justin gelegentliche Auszeiten von mir und dem Krebs schenken.

 

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 Am nächsten Morgen, startet die fünfte Chemo. Die Nacht habe ich kaum geschlafen. Ich bin völlig übermüdet und zutiefst verunsichert. Auf die Frage der Assistentinnen der onkologischen Tagesklinik, wie es mir heute geht, kommen mir die Tränen und ich erzähle von der veränderten Situation. Man setzt sich zu mir und lässt mich erzählen. Mitgefühl wird mir ausgedrückt, eine Umarmung geschenkt. Dass das Verhalten der Brustambulanz alles andere als korrekt gewesen ist, dass das nicht informieren der Veränderung an dem Kalkfeld in meiner Brust ein großes Versäumnis ist, gibt mir das Gefühl, dass ich nicht völlig den Verstand verliere. Meine Frage, ob ich als Patientin zu empfindlich sei, wird verneint.

 Die fünfte Chemotherapie wird mir auf Grund dessen, dass der Port in der vergangenen Woche entzündet war, über meine rechte Armvene zugeführt. Das Antibiotikum hat zwar wunderbar gewirkt und der Port sich in den vergangenen Tagen beruhigt, aber die Ärzte möchten sicher gehen und kein unnötiges Risiko eingehen, da dieser kurz vor der Entfernung stand. Es ist alles andere als bequem, über vier Stunden mit ausgestrecktem Arm im Behandlungssessel zu sitzen und sich seine spezielle Dröhnung einfahren zu lassen. Innerlich verschließe ich mich an diesem Tag und schotte mich von den anderen Patienten ab. Heute ist mir nicht nach small talk, während die Chemo in mich tröpfelt. Ich erschrecke sehr, als ich meinen Chemokollegen (zur Erinnerung - das ist der Mann mit dem inoperablen Bauchspeicheldrüsenkrebs) sehe, mit dem ich in den vorangegangenen Zyklen immer plauderte. Er hat sich in den vergangenen drei Wochen sehr verändert. Dieser große, starke und zuversichtliche Mann, ist von seiner Chemotherapie sichtlich gezeichnet. Auch er verliert nun seine Haare und hat scheinbar all seine Lebensfarben und deutlich an Gewicht verloren. Wir grüßen uns still. Wir sind beide zu sehr in unserer eigenen Welt gefangen um uns und den anderen Mut zu machen. Ich habe meinen Chemokollegen, nach dieser Sitzung, nie wieder gesehen. Ich hoffe sehr, dass er dem Krebs seine Rote Karte hat zeigen können und mit seiner Familie neu hat aufblühen dürfen - inklusive einem großen Päckchen Lebenszeit für sich!

 

 Die Onkologin Frau Dr. D, die mir ein kurzfristiges Gespräch nach der Chemo ermöglicht, entschuldigt sich für das Verhalten ihrer Kollegin der hiesigen Brustambulanz, auch wenn sie dafür keine Verantwortung trägt. Das weiß ich sehr zu schätzen. Sie gibt mir den Rat, einen Termin mit meiner Psychoonkologin zu vereinbaren, um mich psychisch aufzufangen und versichert mir, dass ich umsichtig entschieden habe, einen Termin im Frankfurter Brustzentrum zu vereinbaren.

 In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken und lassen sich kaum bezähmen. Ich versuche mich Brustamputiert vorzustellen. Werde ich je wieder eine Sauna besuchen können, Wellness, Schwimmen, einen Partner finden, der nicht vor mir zurückschreckt? Welche Spätfolgen und Beeinträchtigungen, wären zu erwarten? Den größten Teil meines Kleiderschranks, den ich aussortieren dürfte, Spezialwäsche, Prothese. Da ich mich zu Anfang der Diagnose mit der Frage Amputation beschäftigt hatte, weiß ich für mich, dass ich keinen Brustaufbau in Anspruch nehmen würde, wie zum Beispiel aus versetzten Muskeln und Hautpartien aus dem Rücken, Bauch oder Po. Noch mehr Operationen, noch mehr Schmerzen, noch mehr Narben. Ich mich erneut lange Zeit nicht um mein Kind kümmern könnte, da solche Operationen sehr umfassend und einer längeren Heilung bedürfen, von Komplikationen jeglicher Art ganz zu schweigen. Wenn dem so sein sollte, dass mir angeraten wird meine Brust amputieren zu lassen, möchte ich mich möglichst im Vorfeld mit dem Gedanken und neuem Sachverhalt vertraut machen und in Ruhe für mich alles weitere entscheiden, um die dazugehörigen Phasen der Verarbeitung, bewusst anzugehen. Eben auf meine Art, die nicht die schlechteste zu sein scheint, wie mir immer wieder versichert wird. Und nicht am Tag X der Operation zu erfahren:

 

„Frau XY, wir haben leider keine guten Nachrichten, für Sie!“

 

 

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 Das Schöne, von der fünften Chemotherapie ist zu berichten, dass mich die Übelkeit und das Erbrechen, weitestgehend verschonen. Dafür greift sie nun immer tiefer in meine Muskeln und Knochen und ruft eine ungeheure Schwäche in ihnen hervor. Es kostet eine immense Kraft, mich von meinem Bett zu unserer Couch zu bewegen, geschweige denn Justin zu versorgen. Jede Bewegung gelingt mir nur mit einer ungeheuren mentalen Kraftanstrengung. Mein Kreislauf kommt kaum noch in Schwung, das Atmen fällt unsagbar schwer, mein Herzschlag dröhnt laut in meinen Ohren.

 Zum Glück schaut meine Mutter in dieser Woche zweimal nach uns und versorgt Justin nach ihrer Arbeitszeit bei uns Zuhause, der den Tag über in der Lebenshilfe verbringt. In Bayern sind ja noch immer Sommerferien. Der Fernseher wird in der restlichen Zeit zum Bubensitter erkoren. In diesen Tagen fühle ich mich erstmals so richtig sterbenselend. Auf eine andere Art, als die Leukozyten nach der ersten Chemo im Juni bei mir im Keller waren und ich in einem Umkehrisolierzimmer lag. Da fühlte ich mich krank, ähnlich wie bei einer schweren Grippe.

 Diesmal ist es tiefer gehend. Ich fühle mich einfach immens kaputt, alle Energie scheinbar verloren. Ich habe Angst, dass ich mich nicht mehr erholen werde, dass mein restliches Leben in dieser Art verlaufen wird. Hilfe, ich kann einfach nicht mehr!

 

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 Am Donnerstag nach der fünften Chemo, dem 26 August, fahre ich mit Karlsson nach Frankfurt, ins Brustzentrum. Ich bin so froh, dass er mich begleitet, mir seine Kraft und Unterstützung schenkt. Mein bester Freund. Mein Fels in der Brandung.

 

 Frau Dr. R lässt sich von mir alles Vorgefallene erzählen und sichtet die Mammographie. Es scheint anhand derer tatsächlich so zu sein, dass das vorhandene Kalkfeld, Krebszellen abbaut. Eine Gewebeprobe lässt sich nur anhand einer Vakuumbiopsie gewinnen, da sich ein Kalkfeld nicht in einem Ultraschall darstellen lässt. Der Termin wird für knapp drei Wochen nach der letzten Therapie ausgemacht, da diese bis zuletzt am Kalkfeld und an den Tumoren, weitere Veränderungen verursachen wird. Um die Operation richtig planen und deren Umfang einschätzen zu können, wird möglichst zeitnahes Gewebematerial benötigt. Leider wird man mir erst nach Auswertung der Biopsie alles Weitere erläutern können, da man derzeit nicht einschätzen kann, welche Auswirkungen die Chemotherapien tatsächlich in meiner Brust ausgelöst haben und noch auslösen wird. Sind tatsächlich Krebszellen vorhanden in diesem Kalkfeld - ja oder nein? Eine Frage, die man derzeit nicht beantworten kann. Wie das Ergebnis ausfallen wird, brauche ich für mich nicht zu rätseln. Tief in mir, weiß ich um den Ausgang dieser Biopsie. Zumindest verstehe ich nun, warum eine Vakuumbiopsie relativ zeitnah zur Operation erfolgen sollte. Dennoch werde ich wie erhofft, gute zwei Wochen Zeit haben, um das Ergebnis der Biopsie verarbeiten zu können und mich von meiner Brust verabschieden können.

 

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 In den kommenden Tagen gelingt es mir, unsere wichtigsten Termine wahrzunehmen. Justins Krankengymnastiktermine, meine Kontrolltermine in der Onkologie, Lymphdrainage für mich, Nagelstudio in der Hoffnung meine Nägel über die Chemo zu retten, die nun merklich dünner geworden sind und ordentlich schmerzen, bedingt durch die Nervenschädigungen. Hübsch sehen sie dennoch aus. Diese werden meine letzten sein. Für die Operation sind Acrylnägel nicht erlaubt. Mögen die Anästhesisten wohl nicht so gerne.

 Selbst einen Kontrolltermin in Heidelberg für Justin gelingt es mir wahrzunehmen. Meine kleine Schwester begleitet uns zur Unterstützung. Der ungezwungene Ton während der Unterhaltung ist verloren und ich bin vorsichtig mit dem, was ich meiner Schwester anvertraue. Umschiffe Themen, die zu oft angesprochen wurden und jedes Mal aufs Neue verletzen und verunsichern. Dennoch bin ich froh, dass sie uns begleitet.

 Der Tag wurde sehr anstrengend und lang auf Grund der Gipsabnahme von Justins Beinen und Füßen, für seine neuen Orthesen. In Heidelberg bespreche ich mit dem Werkstattleiter, wie wir die kommenden Wochen in Bezug Erstanpassung der neuen Hilfsmittel zeitlich gestalten können, da mein Operationstermin schon bald ansteht und im Anschluss die Bestrahlung beginnt. Mein Zeitfenster für den Herbst, ist eng begrenzt. Justin benötigt neue Orthesen zum Laufen und eine neue Nachtlagerungsschiene, von denen es nun gilt, diese schnellstmöglich über die Krankenkasse genehmigt zu bekommen. Neue Orthesen standen nicht in meinem Plan für diesen Herbst. Aber auch dies wird mir gelingen, zu organisieren und zu wuppen.

 

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 In diesen Tagen erscheint eine neue Ausgabe der Zeitschrift Brigitte. Mit einem Bericht über Uta Melles Projekt: „Die Amazonen“. Es ist ein Bildband entstanden mit Frauen, die an Brustkrebs erkrankten, teilweise amputiert und manch eine dabei, die sich ihre amputierte Brust oder gar beide Brüste hat aufbauen lassen. Eine nahm sogar während ihrer Chemotherapie an dem Shooting teil. Sie alle zeigen sich mehr oder weniger nackt als unglaublich starke, mutige und kämpferische Frauen. Mir diese Frauen in all ihrer verletzten und gelebten Schönheit betrachten zu dürfen, schenkt mir Mut für meinen weiteren Weg.

 

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 In diesen Tagen, nehme ich den Termin bei meiner Psychoonkologin wahr. Das Schreckgespenst Amputation ohne Einschränkung oder Rücksicht auf andere in Worte fassen zu dürfen, hilft mir sehr. Aber auch meine Angst vor dem vermeintlichen Verlust meiner Weiblichkeit und der Konflikt in Bezug zu meiner Familie. Direkt nach diesem ersten Gespräch, fasse ich all meinen Mut zusammen und suche einen Sanitätsfachhandel auf, von dem mir bekannt ist, dass dieser Spezialwäsche für Brustkrebspatientinnen führt. In einem engen Räumchen lasse ich mir die entsprechende Wäsche zeigen, da mir die Kataloge keinen nennenswerten Eindruck vermitteln konnten. Schick ist anders. Nicht so schlimm wie befürchtet, aber anders als dass, was ich bislang an Wäsche getragen habe. Ich lasse mir eine Silikonbrust zeigen. Halte sie in meiner Hand. Spüre sie auf meiner Haut. Oh je - mag ich das Gefühl? Nein...

 

In einem Blog, schreibe ich in der Nacht zum 2.September:

 

 Ich habe meinem Spiegelbild vor wenigen Augenblicken erzählt, dass ich mich ganz dolle lieb habe und an mich glaube! Das ich ohne Wenn und Aber eine tolle Ausstrahlung habe und meine Augen wie zwei Sterne leuchten...

 Macht euch keine zu großen Gedanken um mich, wenn bei mir zwischenzeitlich mal die Kraft weg bröckelt, die kommt auch wieder. In der Richtung könnt ihr mir vertrauen! Es gibt Tage, die sind zum Fürchten und andere, die dazu einladen, das ganze Leben zu umarmen und immer mehr von diesen haben zu wollen - und diese überwiegen bei mir zum Glück!

 

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,,Ich hab´s  geschafft!!!!!!!!!!!!!", jubelt meine Seele - Chemo Nummer sechs durchströmt mich seit heute, dem 10. September 2010. Yes - ICH BIN EINE Gewinnerin!!!!!!!!!!!

 

 OK, meinem Magen ging es in den letzten Wochen nicht wirklich gut. Ich nehme derzeit jeden Tag Tabletten zu mir, um meine Magensäure zu binden. Mein Onkologe Herr Dr. W hat mir zur dringenden Auflage gemacht, Schmerztabletten gegen die permanenten Gelenk- und Knochenschmerzen einzunehmen und obendrein weitere Tabletten verordnet, um die Nervenirritationen in Händen und Füßen zu lindern. Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung: meinem Sohn derzeit seine Hosen zu schließen, sei es in Form von Knöpfen oder Reißverschlüssen, gelingt mir nicht. Zum einen, weil die Fingernägel schmerzhaft empfindlich geworden sind, zum anderen weil auch hier die Kraftumsetzung fehlt und die Gelenke stark schmerzen. Es ist ähnlich wie bei einem schweren rheumatischen Schub. So geht mein Bub derzeit mit offener Hose durchs Leben, aber auch nicht wirklich tragisch.

 Das meine Haut an den Füßen so dünn geworden ist, dass sie permanent Blasen bildet, ganz gleich wie bequem meine Schuhe auch sind, wird sich in den kommenden Wochen wieder geben, versichert mir mein Onkologe Herr Dr. W.

 Hoffentlich erholen sich auch meine Fußnägel, die beginnen sich mit einem Mal gelblich zu verfärben und zu lösen. Schaut gruselig aus. Chemotherapie überlebt - ein Wrack lässt grüßen...ahoi Käpt´n!

 In drei Wochen könne ich mit Kieselerde beginnen, um meine Haut bei ihrer Heilung zu unterstützen, bekomme ich als Antwort auf meine Frage (weil man ja nicht einfach mal so wie man das gerne möchte, zusätzliche Präparate während einer Chemotherapie zu sich nehmen sollte, da diese die Wirkung mindern können, wie ich mittlerweile gelernt habe).

 In vierzehn Tagen steht bereits mein erstes Staging, nach Chemo an. Dieses Staging umfasst ein großes Blutbild und einen Ultraschall meines Oberbauchs. Hoffentlich verstecken sich keine unentdeckten Metastasen in meiner Leber und Nieren, flüstert es sogleich in mir. 

 

 Die vorangegangene und somit fünfte Chemo, stellte sich bislang als die härteste heraus, da sie mir körperlich kaum Erholung bot in den vergangenen vierzehn Tagen. Doch nun kann es endlich wieder aufwärts gehen; diesbezüglich bin ich mir ganz sicher. Alle trüben Gedanken für den Moment sind vergessen. Für heute drücke ich mir fest die Daumen, dass die letzte Chemotherapie noch einmal ordentlich in mir aufräumt und möglichst jede verirrte Krebszelle in mir findet und ihnen die Luft abdreht. Die Müdigkeit in den Griff zu bekommen, das wünsche ich mir. Das der noch immer offene Sentinelschnitt endlich abheilt und zur Ruhe kommen mag.

 Und ich freue mich schon jetzt im September, auf Plätzchen backen für Weihnachten. Endlich wieder mit Genuss riechen und schmecken dürfen - welch ein Luxus wird das sein! Wieder zu Kräften kommen, die vielen Chemokilos verlieren, bald wieder Haare zu haben, wieder voll und ganz Mama sein zu dürfen und so vieles andere mehr! Derzeit läuft so manches auf Sparflamme, in Bezug Justins Erziehung. Es gibt Stellen im Alltag, an denen ich mich seinen Pubertätsschüben gegenüber vehement durchsetzen müsste, es mir mangels Energie jedoch einfach nicht gelingt und ich ihm seine Unartigkeiten einfach mal ungestraft durchgehen lasse. Das nutzt er durchaus für sich aus. Soll er doch, der Schlingel. Seine Schonfrist läuft ab...

 

 Mein Herz lacht vor Freude. Voller Energie laufe ich beflügelt nach meiner letzten Chemotherapie, nach Hause. Ganz gleich wie schlimm es an manchen Tagen noch für mich kommen wird: Für heute bin ich die Gewinnerin – welch ein Triumph! Und den kann mir niemand nehmen...

 

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 Heute ist ein wunderbarer Samstag und die Sonne scheint endlich mal wieder von einem strahlend blauen Himmel. Die Sommermonate waren auch in diesem Jahr verregnet, wie so oft in den vergangenen Jahren. Für heute an Unternehmung habe ich mir gewünscht, durch das Senckenberg Museum zu streifen. Wobei ich ein wenig enttäuscht bin von der Ägyptischen Ausstellung, die ich in meiner Erinnerung als Kind großartiger zurückbehalten hatte. Dafür macht sich Karlsson ganz wunderbar neben den ausgestellten Dinosauriern und tröstet mich gekonnt über meine Enttäuschung hinweg und verführt mich zum ausgiebigen Lachen. Zum anschließenden Relaxen fahren wir in aller Ruhe an den Main. Zupfen Grashalme, philosophieren über das Leben in Gesellschaft eines Sommerbieres, genießen die Wärme der Sonnenstrahlen und diese herrlich leichten Momente. Wir beobachten die an uns vorbei flanierenden Frankfurter und die Besucher ihrer Stadt. Das Leben fühlt sich genau in diesem Moment, wunderbar leicht an.

 

 Bei einem späteren Shoppen in der Stadt kann ich einem schönen Paar Schuhe nicht widerstehen. Schwarzes weiches Velourleder; schmal geschnitten. Nicht zu hoher Absatz, mit einem Riemen über dem Span. Einfach nur schön, nehme ich mit. Überhaupt das Thema Geld ausgeben. Das ist schlimm mit mir derzeit. Normalerweise halte ich mein Geld immer gut zusammen. Derzeit gelingt mir das in keinster Weise. Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, kaufe ich es. Dabei ist mir nur zu gut bewusst, dass mich diese Art der Kompensierung, nicht vor dem Krebs und dem Tod schützen werden. Gelegentlich erschrecke ich über mein Verhalten und gehe dennoch gleich darauf mit einem Schulterzucken darüber hinweg. So in der Art:

 

„Na und, hab dich nicht so. Ist doch nur Geld!“

 

 Mittlerweile wird es abends merklich früher dunkel. Auf dem Rückweg von der Innenstadt zu Karlssons Wagen, halten wir bei unserem Spaziergang auf dem Eisernen Steg und bewundern die nächtliche Skyline, vor einem grandiosen Sonnenuntergang. Ich nehme den Anblick tief in mir auf. Mag diesen, wie so viele andere Augenblicke, festhalten wollen. Ein Glücksmoment!

 Früh am nächsten Morgen, in den Armen Karlssons eingekuschelt, wird mir endgültig bewusst, dass ich den Chemoblock hinter mich gebracht habe. Unendliche Erleichterung und Dankbarkeit breitet sich in mir aus und durchflutet mich. Dank Karlsson, darf ich mich obendrein auf einen wunderbaren Urlaub freuen. Das verriet er mir beim Sonnenbaden am Mainufer. Er ist der Ansicht, dass ich den von mir geplanten Urlaub im Bayrischen Wald, auch noch als Rentnerin wagen könne. Ich bräuchte Abenteuer und solle mir die Welt erobern. Ob ich mir vorstellen könne, im Februar mit ihm zusammen nach Phuket zu fliegen, wenn ich an Behandlung alles erfolgreich hinter mich gebracht habe? Bei seinen Worten muss ich mal wieder weinen vor tiefer Dankbarkeit, einfach weil mir mein Herz aufgeht. Ich weiß kaum, wie ich mit so viel Großherzigkeit umgehen soll. Da sind so viele treue Begleiter in den letzten Monaten an unserer Seite gewesen, die mit Gesten, Worten, Mutmachkarten, kleinen und großen Aufmerksamkeiten, ihre Unterstützung geschenkt haben. Die unschätzbar große Unterstützung, der vielen Helfer der Lebenshilfe und Schule in den vergangenen Monaten. Ein großes Danke geht an Herrn H, der mir die Finanzierung der vielen Eigenanteilsrechnungen der Lebenshilfe abgenommen hat. Danke an all die Menschen, die an mich geglaubt haben, dass ich den Krebs besiegen werde.

 

 Den Rest schaffe ich nun auch noch! Das Schlimmste habe ich hoffentlich hinter mich gebracht. Ich darf in Urlaub fliegen!!! Huuuuuuuuiiiiiiiiiiiiiiiii...

 

Kapitel 9



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