Das Sterben und die Limousine

Den Kampf gegen den Krebs antreten, stark sein, Zuversicht und Hoffnung haben - das sind nicht die einzigen Aufgaben, die vielen Menschen mit einer Krebserkrankung von ihrem Umfeld auferlegt werden und die sie sich auch selbst auferlegen.

 

Ein Kampf ist gut, er ist kraftvoll und wenn man erstmal kämpft, verteidigt man sein Leben gegen den Tod. So hat man wenigstens die Chance zu gewinnen. Der Kampf ist also die logische Konsequenz dieser Erkrankung? Für die meisten ist der Kampf die logische Konsequenz und auch häufig dass, was als Option bei Beratung und Aufklärung, in den Raum gestellt wird.

 

Ich möchte euch die Geschichte von Nora erzählen. Also einen Teil Ihrer Geschichte, ein Stück Ihres Weges, auf dem ich sie begleiten durfte.

 

Nora

 

Ich lerne Dich kennen, als du Anfang 20 bist. Du bist mir bis heute in Erinnerung geblieben und immer wieder mal erzähle ich Deine Geschichte. Ich glaube, Dir würde das gefallen, denn kurz bevor Du starbst, hast Du angefangen dein Leben niederzuschreiben. Du wolltest etwas von Dir schaffen, dass bleibt. Etwas zum Anfassen...

 

Du hast Krebs!!! Du kommst zu uns ins Kinder- und Jugendhospiz und weißt, dass du bald sterben wirst. Ich arbeite seit einigen Jahren hier und doch ergreift mich dein Schicksal auf ganz besondere Weise. Ich erkenne mich in Dir. Du bist nur wenige Jahre jünger als ich...

Wir verbringen viel Zeit miteinander. Wir reden, wir schweigen und manchmal gehen mir deine Worte so nah, dass ich es schier kaum aushalten kann. 
Ich frage dich, wie du es aushälst?!

 

Du weinst und sagst : „Gar nichts halte ich aus und ich möchte es auch gar nicht aushalten. Ich möchte Leben! Ich möchte eine Wohnung mieten, darin kochen, schlafen, Musik hören, einen Freund haben. Ist das zu viel verlangt?"

 

Auch deine Mama weint. Nur ein Jahr ist seit der Diagnose vergangen. Vor einem Jahr bist Du zum Arzt gegangen. Du hattest Beschwerden. Er diagnostizierte Dir die Vorstufe einer Krebserkrankung und bat dich, in sechs Monaten zur Nachkontrolle zu kommen. Du hast Dir Sorgen gemacht, doch gleichzeitig darauf vertraut, was der Arzt dir beruhigend versicherte.

 

Du sagtest: „Vielleicht wollte ich es auch gar nicht wissen, habe es insgeheim gespürt und dachte,

wenn ich die Antwort nicht höre, ist sie auch nicht wahr...“

 

Ich kann Dich so gut verstehen. Nach sechs Monaten war aus der Vorstufe ein bereits metastasierendes, aggressives Gewächs geworden. Die Ärzte erzählten Dir von der schlechten Prognose und rieten dir zu Chemotherapie. An dieser Stelle deines Lebens hast du dich das erste Mal mit der Endlichkeit deines Lebens auseinandergesetzt.

Ich sitze neben deinem Bett und betrachte die Bilder an der Wand. Es sind immer zwei Frauen darauf zu sehen. Deine Freundin und du. Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wer von diesen beiden Frauen du bist. Diese Frauen dort sind schlank, modisch gekleidet und geschminkt, sie haben lange blonde Haare und lachen ausgelassen. Es scheint ihnen gut zu gehen.

Jetzt liegst du hier im Bett, kannst dich nur noch unter Schmerzen bewegen, deine Haare wachsen langsam wieder nach. Wir haben sie Dir vor ein paar Tagen knallrot gefärbt. Du hast dich darauf gefreut, denn „früher hätte ich mich das nie getraut“. Dein Körper und dein Gesicht sind aufgedunsen von den zahlreichen Medikamenten. Deine Freundin war noch nicht zu Besuch. Du möchtest keinen Besuch. Du schämst Dich für dein Aussehen und deinen „Zustand“.

 

„Weißt Du Corinna. Als die Ärzte mir gesagt haben, dass ich Krebs habe und er auch schon gestreut hat. Warum hat mich niemand über die Möglichkeiten aufgeklärt, die ich habe?

Warum war allen so klar, dass ich diese Chemotherapien mache und sie meine einzige Chance sind und auf was überhaupt?“ 

 

Wenn Hoffnung bleiben darf

 

Natürlich klammerst Du dich an diese Hoffnung. Du möchtest doch alles tun um wieder gesund zu werden. Und die Ärzte werden schließlich wissen, was das Beste für Dich ist, sagst Du. Du weißt, dass es sein kann, dass Du es nicht schaffst. Doch niemand spricht ganz offen mit Dir darüber. Du möchtest diesen Gedanken gar nicht erst zulassen. Denn es fühlt sich an wie aufgeben. Dich selbst, deine Freunde, deine Familie. Niemand schien auch nur annähernd in Erwägung gezogen zu haben, eine palliative Unterstützung für dich hinzuzuziehen.

 

Die Gedanken auf der anderen Seite

 

Wenn wir das jetzt tun, geben wir sie auf. Dann suggerieren wir ihr, dass es ihr Ende sein wird und wir keine Hoffnung mehr haben. Aber die Hoffnung ist doch das, was zählt.!? Die Hoffnung braucht sie jetzt, um stark zu sein!!!

 

Du hast die Hoffnung nie aufgegeben

 

Doch jetzt hoffst du anders. Die Prioritäten haben sich verschoben. Du hoffst darauf, die Zeit, die dir noch verbleibt, genießen zu können. Auf deine eigene Initiative hin hast Du gemeinsam mit deiner Mama Kontakt zu uns aufgenommen. Wir nehmen Dich bei uns auf und sprechen erst einmal nur darüber, wie es Dir geht und was Du Dir wünschst.

 

Was müsste jetzt passieren, damit es dir gut geht?

 

Du möchtest nicht allein sein. Du möchtest über die Dinge sprechen, die dich bewegen, ohne immer und immer wieder deine Mama zu sehr zu belasten. Du möchtest wissen, welche Möglichkeiten an Behandlungen du hast und vor allem welche Auswirkungen sie auf deine Lebensqualität haben werden.

 

Der Wunsch nach Ehrlichkeit

 

Ich sage Dir, dass du sterben wirst. Ich weiß nicht WANN und ich weiß nicht WIE, aber ich kann Dir sagen, dass wir zu jeder Zeit an deiner Seite stehen. Dass wir an der Seite deiner Mama stehen und GEMEINSAM mit euch einen Weg finden werden und euch in dem unterstützen werden, was ihr möchtet. Wir können Dir nicht versprechen, Dir all deine Schmerzen, Ängste und Sorgen zu nehmen. Wir können versuchen sie zu lindern.

 

Du siehst mich wieder an und weinst. „Du bist die erste Person, die mir gerade so klar sagt, dass ich sterben werde. Aber Du bist auch die erste Person, die mir ganz ehrlich sagt, was ich tun kann. Du lässt mich entscheiden - das ist schwer und gleichzeitig fühle ich mich endlich wieder sicher. Ich muss nichts mehr tun um irgendwem oder irgendetwas zu entsprechen. Nur ich allein werde jetzt entscheiden und es tut so gut zu wissen, dass niemand hier mich dafür verurteilt. Warum genau habe ich so viel Zeit damit verbracht einen Kampf zu kämpfen, den ich nicht kämpfen möchte? Was, wenn ich mich schon viel früher gegen die Chemo entschieden hätte? Was, wenn ich mich zu einem Zeitpunkt dagegen entschieden hätte, an dem ich körperlich noch in der Lage gewesen wäre, zu reisen, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, Dinge zu tun, die mir Spaß machten?“

 

Ich sehe Dich an und mir ist so schwer ums Herz. Ich nehme Dich in den Arm und sage Dir, wie schön ich es finde, dass Du jetzt bei uns bist. Ich weiß um die Kraft, die es kostet, diese Entscheidung zu treffen. Du hast dich nicht gegen das Leben entschieden. Du hast Dich für Dich entschieden...

 

Nachdem Du bei uns angekommen warst, brauchtest Du einige Wochen um Dich von den Auswirkungen der Behandlungen der letzten Zeit zu erholen. Wir konzentrierten uns darauf, nur noch das zu tun, was Dir gut tat. Du hast Kraft gesammelt - ja sogar Lebensmut! Du hast Dein Lächeln wiedergefunden, hast entschieden deine Freunde zu sehen und gemeinsam mit ihnen Ausflüge zu unternehmen. Du hast Dir deinen Traum erfüllt, einmal im Leben in einer Limousine zu sitzen. Wie schön sind die Bilder in unserem Garten geworden. Ein kurzer Moment der Unbeschwertheit, mit einem Glas Sekt in der Hand...

 

„Stell Dir nur mal vor, ich hätte diesen Kampf weitergeführt. Wahrscheinlich läge ich dann jetzt irgendwo auf der Intensivstation, inmitten von Kabeln und Schläuchen. Neben all den Menschen, die um ihr Überleben ringen. Statt dessen sitze ich hier im Garten, ich bin gerade mit meinen Freunden mit einer Limousine durch die Stadt gefahren. Ich rieche die Sonne auf meiner Haut und höre den Vögeln zu."

 

Meine Gedanken

 

Warum erzähle ich gerade die Geschichte von Nora? Ich selbst bin nicht betroffen. Von daher kann ich nur im entferntesten erahnen, wie es Menschen mit dieser Diagnose geht. Gleichzeitig habe ich lange im Kinderhospiz gearbeitet und viele Kinder und ihre Familien an ihrem Lebensende begleitet. Ich bin demütig geworden und ich habe gesehen, wohin ein blinder Kampf führen kann. Ich finde es so richtig und wichtig zu kämpfen, ich würde es auch tun. Nur sollte uns bewusst sein wofür und wie. Wir dürfen entscheiden, wofür wir kämpfen und zwar in jedem Moment. Und deshalb finde ich eine ehrliche, klare und vor allem in alle Richtungen gehende Aufklärung unabdingbar. Nur wer seine Möglichkeiten kennt, hat eine freie Entscheidungsmöglichkeit. Ich möchte, dass die verschiedenen Disziplinen der Medizin, Hand in Hand arbeiten, sich ergänzen. Dass es um die Patienten und Patientinnen geht und nicht um Ego, Geld und Macht.

Es gibt eine berühmte Studie aus den USA, die zwei Patientengruppen mit fortgeschrittenem metastasiertem Lungenkrebs miteinander verglichen hat, also einer sehr schweren Erkrankung mit kurzer Lebenserwartung (New England Journal of Medicine: Temel et al., 2010). Die eine Gruppe erhielt frühzeitig eine palliative Versorgung, die andere nicht. In der Palliativgruppe hatten die Menschen eine bessere Lebensqualität, waren weniger depressiv und bekamen weniger Chemotherapien am Lebensende. Aber das erstaunlichste Ergebnis dieser Studie war: Diese Gruppe von Patienten lebte auch drei Monate länger.

 

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt viele und gerade deshalb muss ich sie kennen. Um entscheiden zu können welcher für mich der Richtige ist.

 

Meine Botschaft

 

Sterben ist Leben. Es ist ein Prozess, der zu uns gehört und unterschiedlich lang andauern kann. In der palliativen Versorgung, geht es ums Sterben. Es geht darum, diesem Prozess mehr Leben und vor allem mehr Lebensqualität einzuräumen. Den Ruf, der auf dem Ansehen von Pailliativmedizin lastet, gebührt ihr nicht. Denn wenn sie frühzeitig (und möglich ist es bereits ab dem Zeitpunkt der ersten Diagnosenstellung) hinzugezogen wird, können sich so viele Wege öffnen. Zugehörige können auf körperlicher und emotionaler Ebene entlastet werden. Palliativmedizin schließt kurative Behandlungswege nicht aus! Kein Betroffener muss sich für das Eine und gegen das Andere entscheiden. Beide Wege dürfen sich miteinander verbinden...

 

Das ist es, was ich mir wünsche.

Herzliche Grüße

 

Corinna von Traudichkeit

 

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Der Podast: Das Lebensende

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Karen. Lets talk about cancer

Ich selbst finde meine Geschichte im Vergleich zu anderen immer so harmlos, auch wenn diese es nicht ist, leider...

 

Bei mir fing alles 2017 mit Rückenschmerzen an. Diagnose Bandscheibenvorfall. Da war ich 47 Jahre ( *1970) alt und Mutter einer 10jährigen Tochter. Ein Jahr später ging es im Januar 2018 mit den Schmerzen wieder los. 4 Wochen bin ich immer wieder zum Orthopäden gerannt, bis er mich endlich zu einem MRT überwiesen hat. Da wurde erstmals ein Wirbelbruch festgestellt. Beim googeln zu Hause, wurden drei mögliche Ursachen genannt:

 

Sturz, Osteoporose oder Tumor.

 

Seltsam, sonst eher der Hypochonder, habe ich trotz fehlendem Sturzes und zu jung wegen der Osteoporose, nicht die Möglichkeit Krebs in Betracht gezogen...

 

Die nächste Untersuchung war ein PET CT. Es wurde festgestellt, dass die Schmerzen durch eine Metastase in der Lendenwirbelsäule hervorgerufen wurden. Der Schock war groß, ich konnte es nicht fassen. Auch wenn der Krebs schon immer in der Familie mütterlicherseits präsent war, aber niemand erhielt die Diagnose so „jung“.

 

Ein paar Tage später wurde der Primärtumor festgestellt: Lungenkrebs! Der Schock saß bei mir wie bei jedem anderem, sehr tief. Meine Mutter ist an Lungenkrebs gestorben, aber sie war 68 und Kettenraucherin. Erst später erfuhr ich, dass inzwischen viele Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken und das die Umweltverschmutzung einer der größten Verursacher weltweit ist. Leider wissen das noch nicht viele, weil diese Fälle statistisch noch zu gering sind, bzw., viele Betroffene in der dritten Welt leben. Zu diesem Thema könnte ich noch einiges erzählen...

 

Nach der Biopsie, der Molekulardiagnostik und der Stabilisierung und Bestrahlung des Wirbels, entschied ich mich für eine Behandlung mit dem Tyrosinkinase-Hemmer, obwohl mir 2 Universitätskliniken regelrecht die Entnahme eines Lungenflügels, Bestrahlung und Chemo aufs Auge drücken wollten. Für diese fortgeschrittene medikamentöse Behandlung bin ich sehr dankbar, denn dadurch waren die letzten 2 Jahre sehr lebenswert für mich (abgesehen von der Stabilisierung der WS und der Bestrahlung der Metastase und deren Nebenwirkungen).

 

Parallel lasse ich mich privat komplementär behandeln, das war mir schon von Beginn an klar. Zudem bewege ich mich so viel ich kann draußen. Ich liebe die Berge und die Natur.

 

Warum ich einen Podcast gestartet habe

 

Seit meiner Diagnose helfen mir Podcasts sehr dabei das Erlebte zu verarbeiten, daher liebe ich dieses Medium. Ich kann es überall und jederzeit anhören. Ich bin ein eher emotionaler Mensch, das heißt, der Podcast ist intuitiv immer mehr in meinem Kopf entstanden und wie man so schön sagt: „Ich bin mit ihm schwanger gewesen“. Am 13.11.2019, quasi aus dem Bauch heraus von eben auf jetzt, habe ich meine Idee eines Podcasts umgesetzt, nachdem ich spontan über die Anchorapp gestoßen bin. Es hat mich eine Menge Mut gekostet ihn zu starten, aber jetzt gehört dieser zu meinem Alltag und ich liebe die vielen bereichernden Gespräche.

 

Ich selbst bin nicht der Mensch, der gerne im Mittelpunkt steht und nur von seiner Erkrankung erzählen möchte, deswegen die Gespräche mit anderen Krebskranken, ehemaligen Krebskranken und ihren Angehörige. Jeder hat seine ganz persönliche Erfahrung gemacht und der Zuhörer kann für sich Informationen rausziehen. Mir ging es insbesondere darum, Mut zu machen, aber auch das Thema Krebs so ein bisschen zu enttabuisieren und dabei nicht nur das Negative zu erzählen. Krebs macht ja mit uns allen was. Sowohl negativ als auch immer ein Stückchen positives. Ich gebe auch Krebsbloggern eine Stimme, ihre Geschichte außerhalb der „Krebsplattform“ zu erzählen. Es ist schön, die Stimmen hinter den Geschichten zu hören und natürlich helfen mir die Gespräche persönlich auch sehr. Ich liebe inzwischen den spontanen Austausch mit diesen mutigen Menschen.

 

Hast Du auch mal Lust auf ein Gespräch auf meinem Podcast? Dann melde dich bei mir...

 

Leben mit Krebs - Lets talk about cancer

 

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Intakt. Info – Ein Portal für Eltern von Kindern mit Behinderungen

Meine Kollegen von intakt.info haben Nicole vergangenes Jahr im Rahmen einer Interviewreihe mit Eltern von Kindern mit Behinderung zum Thema „Diagnosen“ kennen lernen dürfen. Nicole berichtet hier sehr authentisch vom Weg der Diagnosen in ihrem Leben. Umso mehr haben wir uns gefreut, als Nicole uns anbot, einen Blogbeitrag zu schreiben, um euch die Internetplattform intakt.info vorzustellen und um euch auf starke Eltern aufmerksam zu machen, die sich als Experten in eigener Sache gegenseitig unterstützen können. Herzlichen Dank dafür!

 

intakt.info - was ist das denn jetzt eigentlich genau?

 

Seit vielen Jahren findet man die Seiten von intakt.info, die eine der ersten Anbieter eines Selbsthilfe-Online-Portals für Eltern mit Kindern mit Behinderung sind. Die Planungen für die Bereitstellung wertvoller Informationen rund um das Thema „Behindertes Kind“, liefen bereits Ende der 90er-Jahre an. Hildegard Metzger, selbstbetroffene und sehr engagierte Mutter einer Tochter mit Behinderung und damaliges Mitglied im Vorstand des Familienbundes Würzburg (Träger der Plattform) stellte sich die Frage, was brauchen und suchen Eltern im Netz? Wie können wir ihnen mit welchen Angeboten, schnell und adäquat helfen, bzw. wie schaffen wir es ein virtuelles Angebot anzubieten, wo Eltern schnell und zielgerichtet die gesuchten Antworten auf ihre individuellen Fragen finden können. Unterstützung bekam sie dabei zum Glück von vielen Seiten!

 

Oberste Priorität war für Hildegard Metzger, Eltern nicht mit einer Flut von Informationen abzuschrecken oder hilflos zurückzulassen. Eine der wichtigsten Hilfestellungen war für sie die Begleitung durch den Dschungel der Bürokratie im Alltag. In Zusammenarbeit mit der Uni Würzburg, hier seien Prof. Erwin Breitenbach und Prof. Wolfgang Lenhard erwähnt, wurde das Konzept entwickelt und bereits im Jahr 2001 ging intakt.info online. Mit einem großen Engagement und breitem Wissen, sowie gut funktionierendem Netzwerk, baute der damalige Admin Wolfgang Lenhard, ein für die damalige Zeit in seiner Art einmaliges virtuelles online Selbsthilfeangebot auf. Ein virtuelles Angebot, welches bis in die heutige Zeit nach wie vor und hochaktuell im Netz zu finden ist. Das Team hinter intakt.info hat sich dabei stets mitentwickelt. So gestalten ehrenamtliche Mitarbeiter, selbstbetroffene Elternteile und Sonderpädagogen das Internetangebot gemeinsam. In einem regelmäßigen Austausch wird immer wieder hinterfragt, ob intakt.info noch mit seinen Angeboten dem Zeitgeist entspricht und dementsprechend wird gehandelt. So wurde zum Beispiel aus dem angegliederten Forum eine Community und neben den überarbeiteten und bewährten Infoseiten von A – Z finden sich nun auch Videos und Interviews. Die Interviews mit Elternteilen von Kindern mit Behinderung und Selbstbetroffenen zeigen ihre individuellen Entscheidungs- und Lebenswege auf und können so auch andere Eltern unterstützen.

 

Das Angebot von intakt.info befindet sich derzeit im Aufbau und wird zunehmend ausgebaut. Die Infoseiten von intakt.info beginnen übrigens bereits mit dem Thema einer Schwangerschaft und den vielen Fragen, die durch Vorsorgeuntersuchungen auftreten können. Anhand vieler weiterer Fachbeiträge können sich Eltern und Interessierte über Themen wie beispielsweise Schwangerschaft, Diagnose, Syndrome, Arbeit, Schule, Erwachsenwerden informieren. Auch tiefgehende und emotionale Themen wie Tod und Trauer werden hier angesprochen.

 

Ein breites Erfahrungsbild aus der Selbstbetroffenheit sowie der Wissenschaft aus mittlerweile zwei Jahrzehnten, findet sich auf den Seiten wieder. „Es ist als ob man nach Hause kommt“, oder „wenn ich euch nicht gefunden hätte“ und „ihr sprecht mir aus der Seele“, Stimmen aus dem einstigen Forum, der heutigen Community. Vielleicht hast ja auch du eine Frage, die dir auf dem Herzen liegt oder brauchst Unterstützung im Paragraphendschungel?

 

Begleitet wird die Community durch ein Moderatorenteam, welches sich mit großer Erfahrung seit Jahren ehrenamtlich einbringt. Regelmäßig werden Moderatorentreffen durchgeführt. Einige der Moderatoren, sie kommen übrigens aus ganz Deutschland, sind von Anfang an dabei und verfügen über ein breit aufgestelltes Wissen auch aus der eigenen Betroffenheit heraus.

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Mutter sein mit Krebs - ein kostenfreier Online-Kurs

Die Diagnose Krebs zu erfahren, ist für jeden Menschen ein einschneidendes Lebensereignis. Unabhängig von Alter, Herkunft und der persönlichen Geschichte.

 

Wenn man in dieser existentiellen Lebenssituation zudem die Verantwortung für Kinder trägt, wird die Unsicherheit und Sorge um das eigene Erleben nochmal so stark belastet, da unser Augenmerk als Mutter zeitgleich unseren Kindern gilt.

 

Eine der größten Herausforderungen, der wir Mütter uns auf lange Zeit mit der Diagnose Krebs stellen müssen und die uns alle miteinander verbindet, wird deine Befürchtung sein, dein(e) Kind(er) nicht aufwachsen sehen zu dürfen und dass ihnen das Liebste genommen wird! Diese Angst verbindet uns Mütter. Ganz gleich, ob wir alleinerziehend, in einer festen Partnerschaft oder bereits mit der Diagnose fortgeschrittenem Krebs leben. Diesem Kurs ist es leider nicht möglich, dir diese Befürchtung zu nehmen: Wir können nur lernen mit ihr zu leben und sie nicht übermächtig werden zu lassen.

 

In Kooperation für Selpers ist der kostenfreie Online-Kurs "Mutter sein mit Krebs" entstanden. Er schenkt dir  als Mutter hoffentlich Anregungen anhand praktischer Tipps, den Alltag mit der Diagnose Krebs als Familie neu zu organisieren und zu strukturieren. Je bewusster und aktiver wir diesen gestalten, umso mehr unterstützen wir unseren Heilungsprozess und können unseren Kindern durch einen wertschätzenden Umgang die nötige Sicherheit bieten, die sie für ihre Entwicklung benötigen. Gewappnet mit viel Mut, Vertrauen und Liebe!

 

Neben der Neustrukturierung des Familienalltags, widmet sich dieser Kurs aber auch dem Thema Selbstfürsorge und Zurückgewinnung der Lebensqualität. Es geht um Achtsamkeit und Erkennen innerer Bedürfnisse und das Leben mit all seinen Facetten bewusst wertzuschätzen und den Augenblick zu genießen.

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Assistierte Sterbehilfe

Vermutlich ist es eine der am schwersten zu beantwortetenden und eine höchst emotionale und ethische Frage: Wie geht man damit um, wenn ein unheilbarer kranker Mensch ausdrücklich seinen Willen kund tut und sterben möchte?

 

Die Beschwerden von Sterbehilfeorganisationen, Ärzten und schwer kranken Menschen, hatten nach Jahren des Rechtsstreits, nun Erfolg: Das in Deutschland geltende Verbot der geschäftsmäßigen Hilfe beim Suizid ist verfassungswidrig. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, heißt es in der Begründung.

 

Das 2015 eingeführte Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe verstößt somit gegen das Grundgesetz. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, sagte der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, bei der Urteilsverkündung in Karlsruhe. Das schließe die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und dabei Angebote von Dritten in Anspruch zu nehmen. Der neue Strafrechtsparagraf 217 mache das weitgehend unmöglich. Gegen dieses Urteil hatten schwerkranke und sterbende Menschen, Ärzte und Sterbehelfer geklagt und Recht erhalten.

 

  • Die aktive Sterbehilfe in Deutschland ist und bleibt verboten (zB. Verabreichung eines tödlichen Medikaments)
  •  Die assisitierte Sterbehilfe wird den Menschen durch ein tödliches Medikament zur Verfügung gestellt und wird dann selbst zu sich genommen

 

Ich war bereits als Kind schwerkrank und hatte mir seit dieser Zeit immer wieder mal des öfteren zum Thema Tod und Sterben meine Gedanken gemacht; durch meine Krebserkrankung nochmals in einer eigenen Dynamik. Das ich den Weg in die Hospizbewegung gefunden habe, kam sicher nicht von ungefähr.

 

Meiner Meinung nach, sollten die palliative Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und die assistierte Sterbehilfe, ganz klar voneinander getrennt bleiben. Was in Deutschland hingegen dringend NOT tut, ist schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen, besser über die Möglichkeiten der palliativen Unterstützung aufzuklären und ihnen auch die entsprechenden Möglichkeiten bieten zu können.

 

Ich bin überzeugt davon, dass viele Menschen, die sich mit einem Sterbewunsch auseinandersetzen, durch mehr Aufklärung und Wissen über die Möglichkeiten der Palliativmedizin, diese in Anspruch nehmen würden. Aber diese wertvolle Aufklärung, fehlt bislang noch an zu vielen Stellen in Deutschland. Und manchmal ist die Angst und Scheu der Betroffenen vielleicht auch zu groß, diesen einen entscheidenden Schritt der Information zu gehen. Denn sie befürchten, wenn sie sich über eine palliative Behandlung und deren Möglichkeiten informieren und letztendlich in Anspruch nehmen, dass man sie als Mensch zum Sterben aufgeben würde. Dabei geht es in der palliativen Bewegung vor allem darum, die Lebensqualität zu verbessern. Es geht um Schmerzfreiheit. Zurückgewonnene Lebensqualität. Um Würde. Ängste nehmen...

 

Vielleicht würde aber manch schwerstkranker Mensch den Gedanken als tröstlich empfinden, wenn er für sich weiß, dass er im Zweifelsfall die Möglichkeit hätte, den Weg der assistierten Selbsttötung zu wählen, ohne ihn letztendlich zu nutzen, weil er und seine Angehörigen würdevoll, ohne Angst und Schmerzen, bis zuletzt emphatisch begleitet wird?

 

Aber ganz gleich wie: JEDER Mensch sollte für sich die Möglichkeit der Entscheidung einer Wahl für sich nutzen können und dürfen!!!

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