Bürokratiewahnsinn ohne Ende

balancieren auf unsicherem Grund!
balancieren auf unsicherem Grund!

Kennt ihr das? Ihr habt so viele Worte im Kopf, die ihr gerne aussprechen oder niederschreiben möchtet und dennoch finden sie ihren Anfang nicht aus dir heraus...


So geht es mir derzeit. In meinem Kopf bewegen sich viele Gedanken und Vorstellungen, die aber nicht ihren Weg aus mir heraus finden. Ich lese und nehme Anteil an so vielen Schicksalen, dass es manchmal kaum auszuhalten ist. Selbst wenn ich mich versuche vor den Buchstaben und Worten zu distanzieren, weil ich derzeit kaum tröstende Worte finde, so begegnen mir diese Schicksale doch unaufhörlich an so vielen Orten und Schnittpunkten meines Lebens!

Manchmal darf ich dabei eine Hand halten. Ohne das ich Worte verwenden muss, die den anderen verletzen könnten. Das ist schöner als zu sprechen oder Lücken mit Worten zu füllen, die kaum mehr als Bauschutt dienen, mit dem man versucht Gräben aufzufüllen...

Klingt sehr abstrus. Aber so fühlt es sich derzeit an. Vielleicht hab ich meine Worte zu oft genutzt, so dass sie in meinen eigenen, ewigen Spiegelungen abgenutzt klingen? Ich möchte niemandem eine Phrase als vermeintlichen Kraftanker schenken, nur damit ich etwas gesagt bekommen habe, was letzten Endes in jedermans Ohren hohl klingen wird.


In den letzten Monaten sind stellenweise so unschöne Dinge passiert, dass ich mich aus lauter Selbstschutz von vielen zurückgezogen habe. Versuchte mich unsichtbar zu machen, um nur möglichst keine weitere Angriffsfläche zu bieten. Kurioserweise wird man dadurch angreifbarer. Vielleicht bin ich auch nur zu empfindlich geworden. Wie so ein kleines Mimöschen. Zudem bringe ich ein derzeitiges Talent mit, in jeden ranzigen Fettklopps zu treten, der um mich herum auf den Lebensstraßen liegt. Obwohl ich denen tunlichst versuche auszuweichen. Aber irgendwie – platsch - trete ich von einem in den nächsten!

Im großen Stil ist etwas für mich wichtiges dabei kaputt gegangen, von dem ich nicht weiß, wie ich es reparieren soll. Soll ich es überhaupt reparieren? Macht das Ganze für mich überhaupt noch einen Sinn? Ganz klar – nein!

Von daher sollte ich zusehen, eine Tür zu schließen. Eine Tür zu einem Raum, der mir unglaublich wichtig erschien. Der mich jedoch unglaublich viel positive Energie gekostet hat. Das Beste zu wollen, ist manchmal definitiv einfach nicht das Richtige. An mir wurde stellenweise eine Kritik geübt, die mich eine Menge Kraft gekostet hat. Das meiste hab ich still geschluckt – weil, könnte ja etwas wahres dran sein, an der Kritik an meiner Person. Manchmal versuchte ich mich zu rechtfertigen und dabei wurde es nur von mal zu mal schlimmer. Und ich wurde kleiner und noch stiller. Mit eine Mal fühlt man sich dadurch wie in eine Zwangsjacke gesteckt.


Es wird Zeit, dass ich mich löse. Von dem, was mich einengt. Meine Worte, meine Kreativität und meine Leichtigkeit wiederfinde. Also auf zu neuen Ufern. Tür schließen und weiter gehen. Ich kann das und ich darf das. Kann ja nicht so schwer sein. Denn die nächste Tür, die ich öffnen möchte, soll bitte ein Tor sein. Größer, als ich es mir damals vorzustellen wagte auf meiner Wunschliste an neuen Lebenszielen; damals, nach dem Krebs!

Und hej - wenn dieses Tor sich tatsächlich für mich öffnen sollte - dann wird das für mich ein mega tolles Tor sein :)


Das eine lasse ich also schon mal los. Bei einigen anderen Punkten muss ich mich noch ein wenig in Geduld üben. Das betrifft die Ämtergeschichte um meinen Sohn herum. Ein zunehmend irrwitziges Komödiantenstück. Nur ist es für uns ein dermaßen bitterböses Stück, dass ich für meinen Sohn die kommenden Monate keine finanzielle Absicherung erwirkt habe. Weil wir von Amtsseiten mal wieder von einer Stelle zur nächsten geschickt werden, da sich keiner scheinbar wirklich auskennt, ihn niemand wirklich bei sich verbeämtern möchte, weil Stelle A doch viel eher dafür zuständig zu sen scheint, als Stelle B.

 

Mich Stelle A nach Monaten wissen lässt, das auf Grund von BaföG, welches komplett an den Bezirk gezahlt wird, die damit den Internatsplatz finanzieren, mein Sohn keine Grundsicherung erhalten wird und man mich wissen lässt, dass mein Kind doch besser von Stelle B seinen finanziellen Unterhalt bekommen sollte.

Stelle B lässt mich jedoch wissen, dass es für mein Kind unter Umständen die kommenden Monate keine finanzielle Absicherung von dort erhalten wird, weil der Vater ja vielleicht doch weiterhin den Unterhalt mit dem 18. Lebenjahr zahlen könnte?

Stelle B hat mich schon mal wissen lassen, sollte der Vater wider besseren Wissens vielleicht und evtuell doch weiterhin Unterhalt zahlen, dann würde es jede Menge Abzüge geben und wir unter dem Strich weniger als bislang erhalten. Unter anderem durfte ich bei diesem Gespräch erfahren, dass mein Sohn für dieses Schuljahr kein BaföG erhalten wird und der Bezirk die zuständige Stelle für das BaföG verklagt hat. Auf Grund des BaföG gibt es ja widerrum keine Grundsicherungsrente, die für Menschen angedacht ist, die ua auf Grund einer schwerwiegenden Behinderung kein eigenes Einkommen erzielen können.

Stelle A hat mich bei dem Bescheid wissen lassen( den ich mir zig-fach telefonisch und persönlich vor Ort anmahnen musste), dass es für meinen Sohn gar nicht so leicht sein wird überhaupt je Grundsicherungsrente zu erhalten, weil man ja vielleicht erstmal einen Antrag bei der Rentenversicherung stellen sollte( die werden mir einen Vogel zeigen, bei Antragstellung) und vielleicht wird mein Kind ja doch irgendwie arbeiten gehen können( das hofft die ARGE ebenfalls von meinem Sohn...)?  Dann bräuchte er ja auch keine Grundsicherung. Und wenn er eine Tagesstätte besuchen wird und Leistungen zu der Ermöglichung eines solchen Besuches über Eingliederungshilfe bekommen sollte, ja - also dann wird es wohl auch keine Grundsicherung geben. Blablabla....


Tatsache unter dem Strich: finanziell würden wir mit der Grundsicherungsrente besser dastehen, als mit einer ARGE-Leistung für meinen Sohn.

Über ARGE wird zum Beispiel den erheblichen Mehrkosten durch die Behinderung meines Sohnes, keine Rücksicht gewährt werden.

Kindergeld, welches ich für mein Kind bis zu meinem Lebensende auf Grund seiner Behinderung erhalten werde unabhängig seines Alters, wird uns von der ARGE in Zukunft komplett als Einkommen angerechnet werden. Auf Seiten der Grundsicherung darf dies bei den Merkzeichen in seinem Ausweis zum Beispiel nicht angerechnet werden, weil den Eltern damit ein Teil der erheblichen Mehrkosten erlassen werden soll. So wird Recht zweierlei gemessen. Je weniger du hast – umso gearschter und verarschter bist du. Und alles nur, weil mein Kind schwerst behindert geboren wurde, ich alleinstehend bin und nur in Teilzeit arbeiten kann. Ich kann noch so fleißig und bemüht( setzen - 6) sein - irgendwie renne ich ewig allem hinterher. Und sag dabei immer noch: Uns geht es gut! Zumindest meistens...


Im Grunde genommen geht es ohnehin irgendwie darum, dass Gelder von der einen zur anderen Stelle transferiert werden um alles schön sauber gedeckelt zu bekommen - nur frag ich mich: Wer soll sich da noch auskennen, wenn es offenichtlich noch nicht mal die Ämter mehr hinbekommen, durchzublicken? Alle offiziellen Stellen bedauern zutiefst unser System für Menschen wie uns – aber das nutzt uns nix!

Der Vater meines Sohnes ist anwaltlich informiert und um Stellungnahme gebeten worden zum Thema Unterhalt – hat aber mit seiner Anwort bis jetzt die gesetzten Fristen verstreichen lassen. Nach der gesetzlichen Grundlage ist es so, dass Eltern für ihre behinderten Kinder finanziell nicht weiter aufkommen müssen, da dies als unzumutbar gilt. Im Gesetz geht andererseits hervor, dass auch für behinderte Kinder gesorgt sein muss. Aber die Rechtslage ist dermaßen schwammig, dass du diese kaum ausführen kannst. Laut meinem Anwalt erscheint es gerade so, als wenn es zum Thema Unterhalt mit der Volljährigkeit bis auf ein, zwei Urteile, keine behinderten Menschen mit den entsprechenden Urteilen gibt. Nicht gut für uns...


Blickt ihr noch durch? Extrem schwer, gelle? Mich macht dieses ganze gezockere und hinhalten wütend und zornig bis zum geht nicht mehr. Die letzten Wochen habe ich so was von viel geweint vor lauter unsicherer Zukunft, dass ich mich kaum noch selbst erkannt hab.

In Kombination mit oben genanntem Problemchen – war es dann einfach ab irgendwann zuviel! Jetzt sind die Tränen getrocknet, auch wenn noch immer kein Land in Sicht ist, ich mega Urlaubsreif bin – aber ich halte das jetzt aus und schau irgendwie zu, dass sich DIE Lösung für uns findet.

In diesem ganzen blöden Wirrwarrr bin ich einfach nur heilfroh, dass ich Freunde in meinem Leben habe, die hinter mir stehen und mir ne ganze Menge Kraft und Mut schenken...


Jetzt steht erstmal Ostern an und irgendwie Auszeit und dann der große Geburtstag meines Sohnes! Dieser so wichtige Tag, der leider so unglücklich schwer daher kommt. Er wird dennoch gefeiert. Grad egal. Ich freu mich so sehr auf den großen Überraschungstag mit vielen Highlights für meinen wunderbaren Sohn....

Euer Frollein Wunderfein

Auf das alles gut wird...

Ich wünsche euch schöne Ostern!!! Lasst es euch gut gehen...

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Kommentare: 2
  • #1

    Sylvia (Montag, 04 Mai 2015 10:21)

    Hallo Prinzessin,

    erstmal möchte ich dir sagen, dass du eine tolle Homepage geschaffen hast, deren Adresse ich gern an andere betroffene Frauen weiter leiten werde!!

    Für all die Behördenprobleme im Bezug auf deinen Sohn kann ich dir nur raten, Mitglied im Sozialverband Deutschland zu werden. Die haben mir seit meiner Diagnose schon in vielen Fällen kompetent weiter geholfen. Kannst ja mal googlen, ob sie in deiner Gegend vertreten sind. Euch alles Gute und viel Kraft. Mögen all eure Wünsche in Erfüllung gehen!

  • #2

    Frollein Wunderfein (Dienstag, 05 Mai 2015 14:25)

    ...vielen, vielen lieben Dank!!! Für deine Worte zu meiner Homepage, deiner Weiterempfehlung zu meiner Homepage und dem Tipp mit dem Sozialverband!!! Deine Fotos sind wunderschön.... :)

    Alles Liebe und Gute!!!!