Aktion INKLUSIVES LEBEN für junge Menschen mit Handicap in Aschaffenburg

Wir sind drei Jugendliche unserer Stadt Aschaffenburg und heißen Justin, Marie und Leonie. Wir wurden mit völlig unterschiedlichen Behinderungen geboren, die auf den ersten Blick nicht groß auffallen, aber unseren Alltag und den unserer Familien, vor große Herausforderungen stellt. Kennengelernt haben wir uns in der Körperbehinderten-Schule in Schweinheim. Wir verbrachten dort eine wundervolle Schulzeit, was wohl nicht viele behaupten können. In unserer Schulzeit ging es nicht darum, rechnen, schreiben und lesen zu lernen, sondern uns individuell und zielgerichtet zu Fördern. Wir und unsere Familien, blicken gerne auf diese Zeit zurück.

Mittlerweile besuchen wir das fünf-Tages Internat im Zentrum für Körperbehinderte in Würzburg-Heuchelhof. An den Wochenenden und in den Ferien leben wir Zuhause. Im Zentrum für Körperbehinderte wird unsere Selbstständigkeit gefördert und man bereitet uns darauf vor, eine Behinderten-Werkstatt oder Tagesförderstätte zu besuchen.

 

Wir sind jeder auf seine Art gesellig und unternehmen viel. Dafür benötigen wir Unterstützung und Begleitung von unseren Familien und Freunden. In unserer Stadt kennen wir uns aus. Hier kennen wir die Menschen und seine Wege. Wir sind oft im Park Schönbusch und Spessart unterwegs, besuchen Feste und unterschiedlichste Events und lieben alle drei Kinobesuche. Am liebsten mit PopCorn und Bionade. Die Mädchen gehen gerne in die Stadt zum Shoppen, spielen in einem von Eltern initiierten Verein Fußball und ich, Justin, bin gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Autos unterwegs. Das Schloss Johannisburg, das Wahrzeichen unserer Stadt, verbinden wir alle drei mit dem Gefühl von Heimat.

 

Unsere Mütter wurden über die Jahre Freundinnen und setzen sich zu den unterschiedlichsten Themen für unsere Interessen ein. Zusammen mit anderen betroffenen Eltern haben sie sich unter anderem die Zeit genommen und sich viele unterschiedliche Wohnheime angeschaut. Zum Beispiel in Würzburg, in Hohenrot, in Kempten im Allgäu und andernorts.

Die Mädchen sind bereits für die Zeit nach dem Heuchelhof, zur Wohnplatzsuche in der Lebenshilfe Werkstätten e.V. Schmerlenbach (zuständig für die Wohnplatzsuche in Aschaffenburg) und Erlenbach angemeldet. In Erlenbach wird im Januar 2016 ein neues Wohnheim bezugsfertig sein. Alle freien Plätze sind bereits mit Wartelisten versehen. Vielen betroffenen Eltern ist nicht bekannt, dass sie für ihre Jugendlichen bereits um Jahre im Vorraus, eine Wohnplatzsuche anmelden müssen, wenn sie diesen Weg für ihre Kinder anstreben. Viele von uns warten über Jahre auf einen freien Heimplatz. Und ob dieser dann immer lebenswert ist?

Neue geeignete Wohnheime, größere Wohngruppen oder alternative Wohnformen sind in der Stadt Aschaffenburg und näheren Umgebung, nicht geplant. Die zuständigen Stellen in Aschaffenburg zeigen Verständnis für die Problematik, sehen aber keinen Handlungsbedarf. Dabei fehlen über 55 geeignete Plätze. Wie kann das sein und wer handelt dermaßen inkompetent für Menschen, die ohnehin am Rand der Gesellschaft stehen, fragen unsere Mütter kritisch?

 

Wir Jugendlichen wollen unsere Zukunft in Aschaffenburg aufbauen und nicht "zwangsumgesiedelt" werden, nur weil es versäumt wurde, für uns einen Platz in unserer Heimat zu ermöglichen. Wir wollen in der Nähe unserer Familien bleiben. Zusammen mit unseren Freunden. Gemeinsam mit ihnen leben und feiern. Wir möchten weiterhin am gesellschaftlichen Leben Aschaffenburgs teilnehmen. Und nicht hundert Kilometer und mehr von allem getrennt sein.

 

Unsere Mütter setzen sich mit Nachdruck dafür ein, dass wir in Aschaffenburg eine Zukunft finden. Auch als Menschen mit Handicap. Dafür benötigen sie Rückenstärkung von der Stadt Aschaffenburg und den verantwortlichen Ämtern, Behörden und Institutionen. Wir suchen Fürsprecher und Gleichgesinnte, die für uns und andere Jugendliche mit Handicap in unserer Stadt, eine Zukunft ermöglichen und aufbauen. Individuelle und innovative Lösungen sind gefragt. Zielgerichtet. Mit allen Verantwortlichen an einem Tisch. Wir müssen JETZT anfangen und nicht erst irgendwann.

Bitte helft uns eine Zukunft in Aschaffenburg aufzubauen und Inklusion gemeinsam zu leben.

 

Und ja, wir sind Menschen mit Handicap – aber Anders zu sein, ist nur eine Variante von Normal sein!

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