Doris C. Schmitt

Das Gespräch mit dem Arzt* gut vorbereiten und selbstbewusst führen (*bei Arzt ist immer Ärztin oder Arzt gemeint)

 

Wem ist das nicht schon passiert, man geht zum Arzt, hat ein ganz bestimmtes Anliegen – und dann ertappt man sich nach dem Gespräch, bestimmte und wichtige Fragen mit dem Arzt nicht besprochen zu haben.

 

Warum ist das so?

 

In der Kommunikation zwischen zwei Gesprächspartnern klappt der Dialog am besten, wenn sich beide auf einer Gesprächsebene befinden, beide kennen sich in dem Thema aus, können sachlich miteinander diskutieren, sind nicht abhängig voneinander, fühlen sich gleichwertig akzeptiert und respektiert.

Im Gespräch mit dem Arzt ist der Patient derjenige, der etwas vom Arzt möchte. Er möchte Information und Hilfe bei einer bestimmten Erkrankung. Auch in Zeiten digitaler Netzwerke und Internetplattformen ist für die meisten Patienten immer noch der Arzt die wichtigste Informationsquelle.

Vor allem bei schweren Erkrankungen, wie z.B. Krebs, hat das Gespräch einen wichtigen Einfluss auf die Lebensqualität und das Therapieverständnis bei Patienten. Immer mehr Medikamente werden als Tabletten verschrieben. Damit geht die Verantwortung der Therapietreue auf den Patienten über.

 

Was ist nun der Grund, warum so viele Tablettenschachteln angebrochen in der Schublade liegen oder weggeworfen werden, nachdem man den Beipackzettel durchgelesen hat?

 

Ein Grund kann sein, dass der Arzt dem Patienten Risiko und Nutzen des Medikaments nicht genau erklärt hat. Der Patient ist verunsichert und hat Angst vor eventuellen Nebenwirkungen. Aber vielleicht war der Patient auch beim Erstgespräch so aufgeregt, dass vieles, was der Arzt gesagt hat, „vorbeigerauscht“ ist.

Was auch immer der Grund ist, wichtig ist es jetzt, beim nächsten Gespräch wirklich alles Wichtige mit dem Arzt zu besprechen. Nicht der Arzt hat die Erkrankung, sondern Sie!

 

Deshalb gilt es fünf wichtige Schritte zu beachten:

  1. Ich überlege mir genau, was ich mit meinem Arzt besprechen möchte, welche Sorgen ich habe und welche Fragen er mir beantworten muss.

  2. Ich schreibe mir alles auf, die wichtigste Frage zuallererst. Es sollten in der Regel nicht mehr als drei Fragen sein. Habe ich mehr Fragen, sage ich das gleich bei der Anmeldung, dass ich mehr Zeit bei diesem Besuch benötige.

  3. Beim Gespräch mit dem Arzt, frage ich gleich nach, wenn ich etwas nicht verstanden habe – es gibt keine dummen Fragen! Ich gehe ja extra zum Arzt, damit ich alles was mit meiner Erkrankung zusammenhängt, besser verstehen kann.

  4. Ich schreibe alle wichtigen Punkte zur Behandlung meiner Erkrankung auf oder bitte den Arzt das zu tun. Zusätzlich kann ich ihn bitten, mit Informationsmaterial mitzugeben oder mir Tipps zu geben, wo ich sie erhalten kann.

  5. Ich überprüfe auf meiner Liste, ob ich alle Punkte angesprochen habe und frage noch mal nach, falls irgendetwas nicht klar ist.

Gut zu wissen!

 

Die meisten Ärzte schätzen gut vorbereitet Patienten, die genau beschreiben können, warum sie die Praxis aufsuchen, welche Beschwerden sie beobachten. „Mir tut es überall weh“, ist wenig hilfreich für den Arzt und kostet wertvolle Zeit.

 

Achtung!

 

Sie sind nicht alleine. Viele Patienten mit den gleichen Bedürfnissen suchen auch Ihren Arzt auf. Deshalb sollte das Zeitbudget des Arztes nicht überstrapaziert werden.

 

Für Krebspatienten ist ein gutes Gespräch mit dem Arzt überlebenswichtig. Erst, wenn ich zum Beispiel als Brustkrebspatientin WIRKLICH verstehe, welche Form von Brustkrebs ich habe, welche Therapiemöglichkeiten es gibt und wie ich mit möglichen Nebenwirkungen umgehen muss, kann ich Einfluss auf den Erfolg der Behandlung nehmen.

 

Ich wünsche Ihnen bei Ihrem nächsten Arztbesuch ganz viel Erfolg. Sollten Sie noch nicht den Arzt gefunden haben, der es schätzt, dass Sie sich aktiv in das Gespräch einbringen möchten, zögern Sie nicht, diesen zu suchen. Sie haben eine ernste Erkrankung:

 

Sie haben es verdient, gut behandelt zu werden!

 

Herzlich,

Ihre Doris C. Schmitt



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