Pränataldiagnostik

Foto Henriette Scheibner
Foto Henriette Scheibner

Justin, der weltbeste Sohn, den ich mir nur wünschen kann. Perfekt unperfekt, ganz auf seine Art. Ein charmanter junger Mann, der mich von seinem ersten Lebenstag an verzauberte, wie kein anderer Mensch auf der Welt. Nicht immer ist auf den ersten Blick ersichtlich, wie schwer mein Sohn behindert ist und welche Schwierigkeiten wir in 22 Jahren zu bewältigen hatten. Es ist wie es ist und wir versuchen das Beste aus dem zu machen, was uns gegeben ist.

 

Derzeit kocht in den Medien und sozialen Netzwerken, dass Thema Pränataldiagnostik hoch. Was Betroffene, Eltern und Begleiter von Menschen mit Behinderungen zu lesen bekommen, ist oft schwer zu verkraften. Als Mom meines Sohnes wurde ich manches Mal gefragt, ob ich mir im nachhinein nicht eine Abtreibung gewünscht hätte? Allein diese Frage, ist ein großes Unrecht und Diskriminierung uns beiden gegenüber und impliziert, dass man das Leben meines Sohnes als nicht lebenswert erachtet.

 

Ich kann und mag mir nicht vorstellen, wenn ich während meiner Schwangerschaft mit meinem Kind vor eine solche Entscheidung gestellt worden wäre, wie meine Entscheidung ausgesehen hätte. Was wir aber ganz sicher sagen können ist, dass es auch mit Pränataldiagnostik, Menschen mit Behinderungen geben wird. Zum einen wird unsere Gesellschaft zunehmend älter, zum anderen schreitet die medizinische Entwicklung rasant voran und verhilft Menschen nach und mit schweren Krankheiten und Unfällen zu einem Überleben. Somit wird auch die Kurve einer im Leben erworbenen Behinderung stetig steigen.

 

Mein Sohn erfreut sich bester Gesundheit und ist ein fröhlicher, ausgeglichener Mensch, der vielen am Herzen liegt. Wir können von ihm und so vielen anderen Menschen lernen, ganz gleich ob mit oder ohne Downsyndrom, wenn wir ihnen nur die Möglichkeit geben würden, gesehen, gehört und verstanden zu werden. Nicht Menschen mit Behinderungen sind das Problem unserer Gesellschaft, sondern wie weite Teile der Gesellschaft Menschen mit Behinderungen systematisch ausgrenzen und selektieren.

 

Wir brauchen:

  • Mutmacher
  • Paten für werdende Eltern, die vor besondere Herausforderungen gestellt werden
  • Abbau von bürokratischen Hürden
  • Aufklärung für zukünftige Arbeitgeber und neue Jobmöglichkeiten
  • innovative INKLUSIONS Wohn- und Arbeitsprojekte
  • gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen (die auch umgesetzt werden) für ein inklusives Miteinander
  • unkomplizierte Unterstützungsangebote
  • noch mehr Menschen mit Engagement und offenen Herzen

 

Es braucht viel mehr Menschen, die laut werden und zeigen, dass das Leben mit Behinderung lebenswert und schön ist. Es geht um nichts weniger, als um das Recht auf Leben und ein faires Miteinander.


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