Mütter

Vor einigen Tagen schickte mir eine junge Frau über Instagram mehrere Sprachnachrichten. Zum Ende hin, weinte sie. Sie erzählte mir, dass sie auf meinen Account unter dem Beitrag eines Autisten aufmerksam geworden sei. Sie selbst ist Mutter einer dreijährigen Tochter und weiß seit einem Jahr, dass ihr kleines Mädchen Autistin ist. Sie sei auf der Suche nach einem Austausch mit anderen Müttern, aber bislang ohne Erfolg. Sie möchte lernen und verstehen, um ihre Tochter bestmöglichst zu unterstützen und zu fördern.

 

Kurzerhand bot ich ihr an, dass wir miteinander telefonieren könnten, wenn sie das möchte? Und das taten wir gestern Abend. Es wurde ein sehr berührendes Telefonat, gefüllt mit unendlich großer Liebe zu unseren Kindern, Lachen und so manchen Tränen - und dem Bewusstsein, dass wir auf unterschiedlichen Zeitebenen ganz ähnliche Erfahrungen mit unseren Kindern und unserem Umfeld gemacht haben. Einem Umfeld, dass oft nicht versteht, wie sehr sich unser Blick durch unsere Kinder auf das Leben verändert hat und welche besonderen Unterstützungsmöglichkeiten sie benötigen, um sich in unserer Realität besser verankern zu können...

 

Es beruhigte sie zu hören, dass Justin, trotz ähnlich lautender Prognosen und Startschwierigkeiten wie ihre Tochter, solch großartige Fortschritte für sich in den letzten Jahren eroberte. Das ich ihr manchen Tipp mitgeben konnte, ist an dieser Stelle nicht wichtig. Viel wichtiger ist, dass wir beide uns einig sind, dass UNSERE Kinder Lehrmeister des Lebens sind. Sie haben uns in einer Intensität gelehrt, worauf es wirklich im Leben ankommt, in dem vorherige Prioritäten, keine große Rolle mehr spielen.

 

Justin hat ihr mit seiner Geschichte Mut für ihre Tochter geschenkt! Das hat mich sehr berührt. Und das sie HEUTE ganz ähnliche Erfahrungen macht, wie ich vor 20 Jahren, hat mich in meine Vergangenheit zurück katapultiert!!! Hat sich denn so wenig verändert?

Wir Mütter können so unfassbar viel tragen und an Schlägen einstecken. Wir halten aus, was sich andere nicht einmal Ansatzweise vorstellen können. Wir zerschellen mit den Diagnosen und Prognosen in einem Abgrund und stehen Augenblicke später wieder auf, um unsere Kinder zu beschützen und zu fördern. Wir dürfen und wollen dabei nicht zerbrechen. Denn was wird dann aus unserem Kind?

 

Da ist eine Liebe zu deinem Kind in dir, die dich zur Löwin werden lässt!!! Für seine Zukunft, die so unfassbar ungewiss und weit entfernt von dem ist, was man sich als Schwangere von seinem Kind erträumte. Aber die Liebe zu unserem Kind, setzt ungeahnte Kräfte frei, die wir auch dringendst brauchen. Und es fällt dabei so schwer, auf sich selbst zu achten. Aber auch das ist eine wichtige Aufgabe von uns Müttern. Selbstfürsorge. Sie ist nur so unfassbar schwer umzusetzen und es gibt kein Patentrezept für sie...

 

Unsere Kinder brauchen mehr Chancen für eine inklusive Gesellschaft. Ihre Mütter und Familien benötigen barrierefreie und niedrigschwellige Hilfen, die auch wirklich und tatsächlich genutzt werden können und in keinem bürokratischen Hürdenlauf enden, wie es noch viel zu oft der Fall ist...

 

Mein Summsemann ist soviel mehr, als ihm mancher Arzt prognostizierte. Er ist charmant, witzig, voller Vertrauen in seine Bezugspersonen, er ist mein Herz und alles andere als NUR behindert! Wenn ich könnte, würde ich ihm und so vielen anderen mit ihm, die Türen ins Leben weit öffnen. Bedingungslos...


Kommentar schreiben

Kommentare: 0