Farewell Michaela

Als die liebe Nicole mich Anfang Oktober 2019 anschrieb und mich fragte, ob ich einen Gastbeitrag für ihren Blog schreiben möchte, habe ich mich sehr gefreut. Aber würde ich es schaffen, würde ich die richtigen Worte finden? Trotz meiner anfänglichen Angst sagte ich zu. Zu der Zeit steckte ich noch mitten in der Chemotherapie und konnte nicht einen vernünftigen Satz formulieren. Es vergingen noch drei Monate, bis ich bereit war meine Geschichte aufzuschreiben.

 

Zu meiner Person

 

Mein Name ist Michaela, ich bin 54 Jahre alt, Mutter von drei Töchtern und vier süßen Enkelkindern! Im Juni 2020 kommt noch ein kleiner Erdenbürger dazu, und ich kann es kaum erwarten. Bis zu meiner zweiten Erkrankung (Rezidiv) arbeitete ich Anfangs noch Vollzeit, später Halbtags im sozialen Bereich. Ich vermisse meinen Job, aber vor allem den Kontakt zu den vielen unterschiedlichen Menschen. Zu meinen engsten Kolleginnen habe ich nach wie vor guten Kontakt, wofür ich sehr dankbar bin.

Viele Kontakte sind abgebrochen, obwohl man sich über Jahre kannte, zumindest glaubte ich das. Aber es sind so viele Herzmenschen dazu gekommen, neue Freundschaften entstanden. Meine Familie und meine Freunde geben mir die Stärke nicht aufzugeben. Meine Enkelkinder sind mit Gold nicht aufzuwiegen. Obwohl sie noch sehr klein sind, haben sie ganz feine Antennen und muntern mich auf, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ich bin dankbar, so tolle Kinder, Enkelkinder und einen wundervollen Mann an meiner Seite zu haben.

 

Diagnose I

 

Alles begann im Mai 2006, als ich abends im Bett einen ziemlich großen Knoten ertastete. Ich stand wieder auf, schaute in den Spiegel im Bad und konnte den Knoten schon mit dem bloßen Auge erkennen, ich bekam Panik. Mein Mann kam dazu und sagte, dass ich es sofort kontrollieren lassen soll. Schon am folgenden Tag saß ich bei meiner Gynäkologin. Ich hatte es im Gefühl, und meine Ärztin bestätigte mir, dass es nicht gut aussah. Sie setzte sofort die Maschinerie in Bewegung, und dann ging alles sehr schnell. Das Ergebnis der Stanzbiopsie bestätigte den Verdacht: Ich habe Brustkrebs. Mir klingen die Worte der Ärzte noch in den Ohren, schnell wachsend und aggressiv.

Muss ich jetzt sterben, mit gerade einmal vierzig Jahren? Was wird aus meiner Familie? Ich hatte wahnsinnige Angst, wir alle hatten Angst! Für mich war aber sehr schnell klar, dass ich mich auch dieser Herausforderung stellen werde und alles dafür tun werde, um zu Überleben.

Es folgten einige Operationen, die Chemotherapie und Bestrahlungen. Fünf Jahre machte ich eine Antihormontherapie, und dann hatte ich es geschafft. Die Ärzte bestätigten mir, dass ich nun Krebsfrei sei, das war 2011.

Stück für Stück holte ich mir mein Leben zurück, ging wieder Vollzeit arbeiten, und freute mich, mein erstes Enkelkind aufwachsen zu sehen.

 

Diagnose II

 

Am 1. Mai 2015 bekam ich beim Joggen plötzlich Atemprobleme, nach kurzer Zeit ging nichts mehr, ich hatte das Gefühl gleich umzufallen und zu ersticken. Mein Hausarzt, den ich wenige Tage später aufsuchte, nahm mich überhaupt nicht ernst. Er verwies mich an einen Kardiologen mit den Worten, es könnte aber drei Monate dauern, bis Sie einen Termin bekommen. Ich war am Boden zerstört und hätte diese drei Monate niemals überstanden. Der Arzt meines Mannes besorgte mir einen Termin bei einem Kardiologen direkt am nächsten Tag. Es wurde das Herz untersucht, alles in bester Ordnung. Dann machte er einen Ultraschall am Rücken, und zeigte mir einen großen schwarzen Fleck. Er erklärte mir, dass dort Flüssigkeit in der Pleura zu sehen wäre, die dort nicht hingehöre. Dieses könnte viele Ursachen haben, und müsste dringend abgeklärt werden. Am nächsten Tag hatte ich einen Termin zur Punktion. Es wurden mehr als zwei Liter Flüssigkeit aus der Pleura punktiert.

Bis zur endgültigen Diagnose vergingen dann nochmals sechs Wochen! Diese Ungewissheit und die lange Warterei waren ein Alptraum. Hatte ich jetzt Lungenkrebs? Ich hatte doch immer auf mich achtgegeben! Als alle weiteren Untersuchungen abgeschlossen waren, bekam ich die Diagnose metastasierter Brustkrebs, nicht heilbar! Was bedeutete das jetzt? Wie lange würde es noch gut gehen? Fragen über Fragen gingen mir durch den Kopf, und die Angst war größer denn je. Sie ist seither mal mehr Mal weniger mein Begleiter. Jedes Staging eine Fahrt ins Ungewisse. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Tag, für jedes Kinderlächeln und jeden wundervollen Kontakt. Trotz meiner Diagnose versuche ich nach vorn zu schauen, nicht den Mut zu verlieren, und wenn möglich auch anderen Betroffenen Mut zu machen.

 

Meine Therapien findet ihr auf meiner Seite bei Instagram @indianerin1811 unter den „Highlights“. Ich habe lange überlegt, ob ich meine Erkrankung öffentlich mache, aber rückblickend kann ich sagen, dass es für mich die beste Entscheidung war! Ich habe so viele liebe Herzmenschen gefunden, die einem Rückenwind geben, und sich gegenseitig in schweren Zeiten unterstützen.

 

Ein ganz großes Dankeschön gilt natürlich der lieben Nicole, die sich mit ganzem Herzblut und Engagement für Betroffene einsetzt, und es mir ermöglicht, einen Teil meines Lebens mit euch zu teilen.

 

Wir müssen ja eh denken, warum dann nicht gleich positiv!

 

Achtet auf Euch

Eure Ela


Die Sonne sank, bevor es abend wurde...
Liebe Ela,
du mutige Frau, mit dem großen Herzen. Du hast so viele Frauen auf ihrem Weg mit Mut und Wertschätzung unterstützt. Ich kann kaum glauben, dass ich nie wieder von dir hören und lesen werde. Es erscheint so surreal...
Ein Trost mag es sein, dass es jetzt zum Schluss ganz schnell gegangen ist. Du deine Seelenflügel ohne zusätzliche große Qualen erhalten hast und sie weit ausbreiten durftest. Ich weiß, dass deine Familie ihren Weg ohne dich meistern wirst, hast du ihr doch so viel mitgegeben.
Farewell!!!! Farewell...
In Erinnerung. Freundschaft. Wertschätzung.
Danke für deine Freundschaft
25. August 2020

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