Susanne

Ich heiße Susanne, bin 45 Jahre alt, und ich erkrankte vor 3 Jahren an Brustkrebs.

 

Eine Krebserkrankung ist enorm anstrengend, für den Körper und für die Seele.

 

Wie kann man gut durch diese Zeit kommen?

 

Ich weiß immer noch nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin, so schnell wie möglich so viele Menschen in meinem Umfeld wie möglich darüber zu informieren, dass ich schwer krank bin. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass es das Beste war, was ich machen konnte, denn so habe ich mir unbewusst ein stabiles Netz gewoben, was mich auf wunderbarste Weise durch die Krebs-Zeit getragen hat.

Mein Mann und ich haben unseren drei Söhnen, damals 18, 15 und 10 Jahre alt, immer gleich über alles Bescheid gesagt und ihnen alle Schritte erklärt. Das war uns wichtig, denn Kinder haben sehr feine Antennen, sie spüren sowieso, dass was los ist. Als nächstes habe ich meine Eltern eingeweiht, denn mir war gleich klar, dass wir ihre Hilfe brauchen würden. Dann die restliche Familie und Freunde. Ich wollte, dass sie es direkt von mir erfahren und nicht über Gerüchte, die ja immer recht schnell die Runde machen. Die vielen lieben Hilfsangebote waren überwältigend, vor allem für jemanden wie mich, der sich bis dahin sehr schwer getan hatte, Hilfe anzunehmen. Das war eine eindrückliche Lehre in dieser Zeit - Hilfe annehmen!

Für mich gab es da ein schönes Dalli-klick-Erlebnis: Eine Freundin kam schnell vorbei, um mir beim Kochen zu helfen, denn ich hatte überrascht festgestellt, dass ich kurz nach der Port-Setzung gar keine Kraft in meinem Arm hatte. Sie hat sich tatsächlich gefreut: „Endlich mal jemand, der die Hilfe auch annimmt!“ Stimmt, dachte ich, ich freue mich selber ja auch, wenn jemand die Hilfe, die ich anbiete, gerne annimmt. Seitdem fällt es mir leichter, um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen.

 

Alle wollten natürlich wissen, wie es mir geht, was als nächstes ansteht, wie es weitergeht. Das habe ich bald am Telefon nicht mehr geschafft, und ich habe einen Email-Verteiler eingerichtet. Das war sehr praktisch für mich, denn alle waren gleichzeitig informiert, keiner wurde vergessen. Sehr spannend war für viele die Sache mit den Haaren. Sind sie schon ausgefallen? Wie siehst du aus ohne Haare? Vor der Glatze hatte ich mich sehr gefürchtet. Ich fand meinen Kopf immer viel zu groß und hatte deshalb immer lange Haare zum Kaschieren. Kurzhaarschnitt? Unvorstellbar. Glatze? Du lieber Himmel, nie im Leben! Und jetzt wurde ich da durch gezwungen. Immer wieder habe ich an meinen Haaren gezogen, um zu testen, ob sie schon ausfallen. Nach zwei Wochen war es dann soweit. Als es immer mehr wurden, habe ich zur Schere gegriffen und mir erstmal selber einen Kurzhaarschnitt verpasst. Das war die erste große Überraschung: Sieht gar nicht so schlimm aus wie befürchtet! Mit dem Langhaarschneider meines Mannes habe ich dann alles abrasiert, und es kam die zweite Überraschung: Sieht auch nicht schlimm aus! Vor lauter Erleichterung bin ich in ein riesengroßes, befreiendes Gelächter ausgebrochen. Bis ich mich getraut habe, meine Glatze öffentlich zu zeigen, hat es aber noch lange gedauert. Eine Perücke wollte ich nicht, stattdessen habe ich Mützen und Tücher getragen in allen möglichen Farben und Formen.

 

Jetzt kommt das zweite einschneidende Ding während meiner Krebszeit, und ich weiß auch hier nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin:

 

Familie und Freunde waren ja sehr daran interessiert, wie ich denn aussehe ohne Haare. Ein Glatzenbild wollte ich nicht gleich verschicken, aber Fotos mit Mützen und Tüchern, das ging. Irgendwann habe ich aus Quatsch meinen Kopfputz mit einer Quietscheente verziert und zusammen mit diesem Sprüchlein verschickt: "Ein Späßchen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen!". Das war ungefähr zwei Wochen nach meiner ersten Chemo, an dem Tag, als es mir endlich ein bisschen besser ging. Es war der Auftakt für eine wundervolle Zeit, denn ab da habe ich meistens mit dem Info-Text auch ein Hut-Bild verschickt. Die "Hüte" wurden immer ausgefallener. Das Überlegen, Planen, Basteln, in Szene setzen und Fotografieren haben mir unendlich viel Spaß gemacht und mich wunderbar abgelenkt von meiner Krankheit. Ich hatte kaum noch Zeit, mir Sorgen zu machen. Die vielen lieben, freudigen und aufmunternden Rückmeldungen auf die Emails waren der beste Auftrieb für mich, den ich mir nur wünschen konnte.

 

Klar gab es auch traurige Momente in meiner Krebszeit. Ein großer Schock war für mich, als festgestellt wurde, dass gleich fünf Knoten in meiner Brust wachsen. Somit war gesichert, dass ich meine Brust verlieren würde. „Sie tauschen Ihre Brust ein gegen Gesundheit!“ Zum Glück konnte mir die Psycho-Onkologin diesen Satz noch mit auf den Weg geben, bevor ich in den OP gerollt wurde. Daran halte ich mich immer wieder fest. Der zweite Tiefpunkt war für mich, als ich erfahren habe, dass auch Lymphknoten befallen waren. Diese Vorstellung war ungeheuerlich für mich. Der Krebs hatte also schon seine Reise in den restlichen Körper angetreten. Diesen Aspekt versuche ich nach wie vor zu verdrängen. Es gibt immerhin auch viele, die trotzdem gut überleben.

 

Das große Ziel, 100 Hüte zu kreieren, habe ich tatsächlich geschafft. Das wichtigste Ziel, wieder gesund zu werden, zum riesengroßen Glück auch.

 

Was wird die Zukunft bringen? Ich weiß nicht, ob ich es für immer überstanden habe (was ich mir innigst wünsche), oder ob es mich doch wieder erwischt. Ängste davor begleiten mich ab jetzt immer, mal mehr, mal weniger im Vordergrund. Damit muss jeder, der eine Krebserkrankung überstanden hat, irgendwie fertig werden. So lange alles gut ist, versuche ich, mir dessen bewusst zu sein und die glücklichen Momente in meinem Leben auszukosten und zu genießen. Meinen Humor und meine Zuversicht konnten mir weder die Chemo noch der Krebs nehmen. Sollte ich erneut erkranken, hoffe ich, dass ich wieder stark genug sein werde, den Krebs zu überstehen.

 

Ich wünsche dir, liebe Leserin, lieber Leser, ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen in schweren Zeiten, ein liebevolles Umfeld und, nicht zu vergessen, eine ordentliche Portion Glück.

 

Alles Liebe!

Susanne


Seid ihr neugierig mehr von Susanne und ihren kunstvollen Hut-Kreationen zu erfahren, deren zweite Ausstellung übrigens ab dem 28. April im Kreiskrankenhaus in Heppenheim an der Bergstraße, kurz bevorsteht?

 

Dann schaut euch zudem gerne auf ihrer Website HUNDERT Hüte um.

Auf Instgram findet ihr Susanne als 100Huete.

Und auf Facebook findet ihr Susanne mit ihrem Account ebenso. Folgt hierfür einfach dem hinterlegten Link.


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