Rhea und Lena: Das Buusenkollektiv

Während einer Pandemie Krebs zu bekommen, macht schnell einsam. Selbsthilfegruppen durften oder konnten nicht stattfinden, Freund*innen und Familie zu treffen, war, gerade während des Lockdowns maximal erschwert. Treffen mit Menschen, die man während der Therapie kennenlernt, häufig nicht möglich.

 

So fühlte es sich bei uns an, als wir 2020 an Krebs erkrankten. Wir, das sind Rhea, 40, im Januar 2020 erkrankt und Lena, 29, im Juli 2020 erkrankt. Ungefragt, ungeplant und ungewollt landeten wir in der Tabuzone: Im Krebskosmos. Zogen unsere Drachentöterinnenrüstung an und kämpften uns durch die Akuttherapie. Arbeiteten, noch ohne uns zu kennen, die gleichen Etappen auf dem Weg ab: EC-Chemo, Paclitaxel-Chemo, OP und Bestrahlung. Versuchten den Weg erhobenen Hauptes zu gehen, alle Ängste und körperlichen Nebenwirkungen zu händeln und nicht zu verzweifeln.

 

Wir meldeten uns beide bei Instagram an, um Kontakt zu anderen Frauen in unserer Situation zu bekommen. Um uns auszutauschen und mit der Hoffnung, Teil einer Gemeinschaft zu werden. Miteinander kamen wir im Januar 2021 in Kontakt: Rhea befand sich gerade in der Wiedereingliederung und Lena noch vor ihrer OP. Wir schrieben uns über Instagram einige Male, haben Plottergeschichten ausgetauscht, Mut zugesprochen und Briefe hin- und hergeschickt. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch. 

 

Wenn uns vor einem Jahr jemand gesagt hätte, was alles so 2020 passieren würde, dann hätten wir wahrscheinlich abgewunken und die Person für verrückt erklärt. Wir wissen jetzt was ein Port ist, wissen wie man Kopftücher bindet, Augenbrauen malt, wenn man keine mehr hat und wie sich Polyneuropathien anfühlen. Wir wissen, wie es sich anfühlt, die Kontrolle zu verlieren. Und wir wissen auch, wie verbunden man sich mit anderen Betroffenen fühlen kann, die das Gleiche durchgemacht haben. Von Null auf Hundert, digital mitten ins Herz. Denn wo Schatten ist, da ist auch immer Licht.

 

Und mit diesem Gefühl nahm alles seinen Lauf. Eine Nachricht: “Hast du nicht auch Lust, ehrenamtlich etwas zu machen?“ „Ja, ich würde unglaublich gerne was machen.“ Und dann nicht mehr nur kurze Instagram-Nachrichten, sondern ein echtes Skype-Date. Sympathie, Tatendrang, die Lust, etwas zu bewegen. Der Entschluss, am Krebs-Tabu zu rütteln, der Wunsch, etwas zu bewegen, zu vernetzen, um gemeinsam stark zu sein. Wir wollen informieren, wo uns die Informationen gefehlt haben. Wir wollen aufmerksam machen, auf eine Krankheit, die so viel mehr ist als nur der Leidensweg. Gemeinschaft schaffen, wo Corona für Isolation sorgte und Produkte kreieren, die genauso lebensfroh sind wie wir alle. Wir gründeten deshalb das Buusenkollektiv.

 

Das erste Produkt mit dem wir uns auseinandersetzen war die Entwicklung einer Chemotasche. An dieser halten wir weiterhin fest – als erstes Projekt des Buusenkollektivs erschien sie uns allerdings zu ambitioniert. So beschlossen wir erstmal kleinere Ideen zu verfolgen, um zu schauen, ob wir überhaupt gut zusammenarbeiten könnten. Wir haben oft darüber diskutiert, was uns wirklich gefehlt hat während der Therapiezeit. Und wir kamen beide recht schnell zu dem Schluss, dass es der persönliche Austausch mit anderen gleichaltrigen Betroffenen ist (bzw. Leuten, die zumindest im Kopf genauso alt sind). Instagram bietet hier bereits eine gute Basis, jedoch bleibt es immer auch ein Stück weit anonym und schafft ja nicht automatisch eine Gemeinschaft, auch wenn die Breastcancer-Bubble sehr offen ist. So entstanden die Tittie-Talks, ein Online-Zusammentreffen von betroffenen Frauen zum gegenseitigen Austausch und Kennenlernen und Vernetzen, um aus der Anonymität von Instagram herauszukommen. So können Informationen ausgetauscht, Ängste genommen und Zusammengehörigkeit gefeiert werden. Wir stellen den Raum bereit, regen zu Themen an und organisieren die Vorstellungsrunden. Ansonsten macht jede einzelne aus den Tittie-Talks das, was sie gerade braucht bzw. gerade geben kann. Die Tittie-Talks leben davon, dass jede sich einbringt. Für uns waren die Tittie-Talks anfangs eher ein Versuch, um zu testen, ob das Buusenkollektiv Interesse findet und wir zusammenarbeiten können – mittlerweile lieben wir sie heiß und innig. Und sind jedes Mal wieder aus dem Häuschen, weil so viele das Angebot wahrnehmen und uns auch so viel positives Feedback geben. Die Tittie-Talks bleiben somit fester Bestandteil des Buusenkollektivs. Und ganz bald schon, da sehen wir uns alle mal in live. Am großen Sommerfest der Tittie-Talks müssen wir dann noch etwas feilen…  

Eine zweite Idee, die wir vor kurzem umsetzten, ist unsere Postkartenkollektion Buusenfreundinnen. Denn auch das hat uns während unserer Therapiezeit gefehlt: Eine Postkarte in den Briefkästen unserer Unterstützer:innen, zum Danke sagen, zum "etwas zurückgeben" und um auf das Thema Brustkrebs aufmerksam macht. Dabei rausgekommen sind sechs Postkarten, so einzigartig wie jede von uns an Brustkrebs erkrankten Frauen. Und da für uns das Motto #miteinanderfüreinander an oberster Stelle steht, unterstützen wir mit jeder Karte andere Krebsprojekte. Im Mai/Juni spenden wir hierbei an das wunderbare Projekt Heldencamper.  

 

Und wie geht es weiter? Im Hintergrund wird fleißig weiter geplottet, geplant, gerechnet und investiert. Wir freuen uns sehr, Euch unser jüngstes Projekt vorzustellen: die Etappenkarten. Unter dem Motto you can and you will gibt es ein Kartenset zu kaufen, dass für die einzelne Etappen der Akuttherapie Karten bereithält, um gezielt seine Gedanken und Gefühle aufschreiben zu können. Die Etappenkarten sind über unseren Etsy-Shop zu bestellen.  

 

Alle unsere Produkte und auch Veranstaltungen haben eins zum Ziel:  

 

Wir möchten zeigen, dass wir gemeinsam stark sind. Dass jede an die Hand oder Huckepack genommen wird, wenn uns die Monster unterm Bett nicht schlafen lassen. Wir möchten zeigen, dass niemand mit seiner Erkrankung alleine sein muss. Möchten das angestaubte und veraltete Image der Krankheit verlassen. Denn Krebs, das sind nicht die Anderen. Krebs, das sind wir.  

 

Lena’s Mann fragte vor ein paar Wochen, wie es denn so sei, eine GbR zu gründen mit einer Person, die man live noch nie gesehen hat? Und sollen wir Euch was sagen? Es hat sich noch nie etwas so richtig angefühlt wie dieser Schritt. Wir freuen uns jeden Tag über das Buusenkollektiv und die Arbeit mit und für euch.


Den Shop von Das Buusenkollektiv findest du gleichnamig bei Etsy. Schau gerne vorbei und finde deine Inspiration...


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