Rebecca - wenn Zahlen ein Leben widerspiegeln

20, 3, 25, 14, 16 …

 

Für viele sind das einfach nur Zahlen. Für mich spiegeln diese Zahlen meine Krebserkrankung wieder. Dabei sind es aber längst noch nicht alle.

  • 20 – so alt war ich bei meiner Erstdiagnose
  • 3 – so oft bin ich an Brustkrebs erkrankt (dabei war das dritte Mal hochaggressiv und schnellwachsend)
  • 25 – so viele Bestrahlungen hatte ich
  • 14 – so viele OPs musste ich über mich ergehen lassen
  • 16 – so viele Chemos stand ich durch.

Wie es mir jetzt nach alldem geht? Ich sage mal so: Ich lebe und das ist die Hauptsache. Die ersten beiden Male waren nicht „so“ schlimm. Es war keine Chemo notwendig, da der Krebs nicht aggressiv und verkapselt war. Ich wurde operiert und erhielt Bestrahlungen. Beim zweiten Mal ebenso. Es war immer wieder was an der Brust und so kamen immer neue Operationen dazu.

 

2018 änderte sich mein Leben schlagartig. Ich bekam die Diagnose Brustkrebs Her2Neu positiv, hochaggressiv und sehr schnell wachsend. Ich konnte es nicht fassen. Dieser Krebs hatte mit den ersten beiden Malen absolut nichts zu tun und selbst die Ärzte waren sprachlos. Kurz vor der Diagnose war ich zur Nachsorge und alles war ok. Ich war wieder beim Arzt, weil ich auf der anderen Seite etwas ertastet hatte. So sollte ich schon eher wieder ins Krankenhaus zu den Untersuchungen. Der Tastbefund entpuppte sich als unbedenkliches Lipom. Dank meiner sehr gründlichen Ärztin im Krankenhaus wurde der bereits relativ große Tumor an der Thoraxwand entdeckt. Sie meinte, da ich ja schon mal da bin, schaut sie sich die andere Seite, wo ich eigentlich schon keine Brust mehr habe, nochmal an. Und siehe da, im Ultraschall war ein großer schwarzer Fleck zu sehen. Es wurde gleich eine Stanzbiospie gemacht. Einige Tage später, am 05.10.2018, kam der Anruf, der alles veränderte. Ich bekam schnell einen Termin um alles weitere zu besprechen. Es wurden sehr viele Untersuchungen durchgeführt. Zum Glück hatten sich noch keine Metastasen gebildet. Ich hatte auch einen Termin in der Kinderwunschklinik. Hier entschied ich mich jedoch gegen die Entnahme von Eizellen und/oder Eierstockgewebe.

 

Die Bilder entstanden bei einem Schwesternshooting nach der Chemo.
Die Bilder entstanden bei einem Schwesternshooting nach der Chemo.

Meine erste Chemo hatte ich dann am 14.11.2018. Zu dieser begleitete mich meine kleine Schwester. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar, denn ich hatte eine Riesenangst. Als wir dann wieder Zuhause waren, schnitt meine Schwester mir gleich meine Haare ab. Wir wollten es locker angehen und versuchten erstmal lustige Frisuren. Doch trotzdem war es sehr schwer für uns beide, vor allem, als zum Schluss der Rasierer zum Einsatz kam. Doch ich wollte es so, ich konnte die Vorstellung nicht ertragen, wie mir die Haare nach und nach ausfallen. Ich bin sehr froh, dass meine Schwester diesen Weg gemeinsam mit mir gegangen ist. Nun begann eine Zeit, in der es mir sehr schlecht ging. Ohne meine Familie hätte ich das alles gar nicht überstanden. Ich wohnte in der Zeit wieder bei meinen Eltern. Sie und meine Schwestern kümmerten sich sehr gut um mich und taten alles dafür, es mir so angenehm und erträglich wie möglich zu machen. Ein sehr großer Halt ist für mich auch mein Neffe. Er wurde im Juli 2017 geboren und die Liebe zu diesem kleinen Menschen, hat mich ebenfalls durch diese schwere Zeit getragen.

 

Nach dem Ende der Chemo, am 23.04.2019, folgte die OP. Der Resttumor wurde entfernt. Leider hatte ich keine Komplettremission. Deshalb bekam ich anschließend zu den Antikörpern, noch eine leichte Chemo. Diese ging bis zum 13.01.2020. Pünktlich zu meinem Geburtstag am 14.01.2020, war ich also mit der Akuttherapie fertig.

 

Nach Erholung von der OP, nahm ich eine Anschlussheilbehandlung in Anspruch. Es war eine schöne Zeit, in der ich auch wieder etwas Kraft tanken konnte. Anschließend wollte ich auch gleich wieder arbeiten gehen. Mir wurde mehrfach davon abgeraten. Ich sollte EU-Rente beantragen und nach allem was ich durchgemacht habe, zuhause bleiben und mich richtig erholen. Ich wollte mich aber nicht unterkriegen lassen. So begann ich im November 2020 wieder mit meinem Beruf. Hierfür nahm ich eine drei monatige Wiedereingliederung wahr. Für meine Antikörper-/Chemotage erhielt ich dann immer einen Krankenschein, bzw. befand ich mich in der Zeit ja eh noch in Wiedereingliederung und war dadurch noch krankgeschrieben.

 

Mittlerweile arbeite ich wieder Vollzeit als Rechtsanwaltsfachangestellte. Ob mir das manchmal zu viel ist? JA! Ob ich meine Arbeitszeit kürzen will? NEIN! Warum? Ich liebe meine Arbeit und es tut meiner Psyche unheimlich gut!

 

Ich gehe wöchentlich zur Lymphdrainage und zusätzlich zur Ergotherapie, da ich durch die Chemo starke Polyneuropathien zurück behalten habe. Auch jetzt muss ich noch starke Medikamente nehmen. Anastrozol, Enantone und noch bis November Nerlynx (ein Chemotherapeutikum als Begleittherapie). Mein Leben ist nicht mehr so wie es vor der Chemo war. Ich habe noch immer starke Nebenwirkungen und das nicht nur durch die aktuellen Medikamente. Doch das alles nehme ich gern in Kauf dafür, dass ich weiter LEBEN darf.

 

Bei der vorletzten OP gab es ein paar Probleme beim Ausleiten der Narkose. Anscheinend war meinem Körper alles zu viel geworden und er schaltete kurz ab. Die folgende Nacht verbrachte ich auf der Intensivstation. Dieses Erlebnis war einfach grauenhaft und bleibt mir unauslöschlich in Erinnerung.

 

Ich versuche jeden Tag das Beste aus allem zu machen. Mein Onkologe meinte, dass meine Prognose nicht die allerbeste sei. Doch ich lasse mich nicht davon abhalten, mein Leben in vollen Zügen zu genießen. Ich versuche keine Angst zu haben und mir keine allzu großen Gedanken zu machen. Ja klar, manchmal fällt mir das wirklich sehr schwer. Doch was bringt es, wenn ich meine so wertvolle Zeit mit solchen Gedanken verschwende? Zum Ausgleich unternehme ich viel mit meinen Freunden und meiner Familie.

 

Und doch, die Chemo hatte auch ihr Gutes. Ich bin an ihr gewachsen. Ich habe gespürt, dass ich nicht alleine bin und Jesus immer an meiner Seite ist. Er hat mir jeden Tag neue Kraft gegeben, alles zu überstehen.

 

Um das Erlebte besser verarbeiten zu können, habe ich mir psychologische Hilfe gesucht. Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich sehr dankbar bin zu leben. Ich sehe vieles anders als vorher und das ist auch gut so.

 

Rebeccas Account auf Instagram, findet ihr über den beigefügten Link!


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Fullemaedchen (Montag, 25 Oktober 2021 20:17)

    Danke Rebecca ♥️ Es war schön, dass wir uns bei den Mammo Mädels getroffen haben.

www.prinzessin-uffm-bersch.de Blog Feed

Online-Schulungen für selbstbestimmte PatientInnen (Do, 25 Nov 2021)
>> mehr lesen

Smile. Mundhygiene während einer Krebsbehandlung (Thu, 18 Nov 2021)
>> mehr lesen

Sei Teil unserer Welt auf unseren Social Media Kanälen: