Axilläre Lymphknoten-Schwellung in Zeiten der Covid-19-Impfung

PD Dr.med. Verena Kirn
PD Dr.med. Verena Kirn

In den vergangenen Monaten ist zur Eindämmung der Corona-Pandemie die breite Bevölkerung gegen eine Covid-19-Infektion geimpft worden. Die meisten, zum Glück eher seltenen Nebenwirkungen, betreffen Organsysteme, die außerhalb des senologischen Fachbereichs liegen. Es wurde jedoch beschrieben, dass es vor allem auf der Seite, wo die Injektion stattgefunden hat, zu einer axillären Lymphknoten(LK)-Schwellung wenige Stunden bis Tage nach der Impfung kommen kann. Auch ich habe in meiner Sprechstunde mehrere Patientinnen gesehen, die zur Abklärung suspekter LK vorgestellt wurden, die sich letztlich als Reaktion auf die Covid19-Impfung herausgestellt haben.

 

Zwei Dinge sind in dem Zusammenhang besonders bzw. anders als bei Impfungen gegen andere Infektionskrankheiten. Es kann vorkommen, dass die axillären LK sehr stark anschwellen, schmerzen und sogar die Beweglichkeit des Armes einschränken. Dies ist zwar eine unangenehme Nebenwirkung der Impfung, ist aber in der Regel nicht gefährlich und bildet sich normalerweise innerhalb weniger Tage zurück. Sie steht in direktem Zusammenhang mit der Impfung. Die Einnahme von oralen Antiphlogistika (also Schmerzmittel) kann helfen, mögliche Schmerzen zu lindern. Bei sehr starken Beschwerden kann eine Cortisontherapie zum Abschwellen der LK führen und somit eine schnelle Besserung herbeiführen.

 

Der zweite Aspekt betrifft die Art und Weise, wie sich die axillären LK im Anschluss an die Impfung im Ultraschall darstellen. Grundlegend gibt es im Ultraschall Kriterien, die der Untersucher/die Untersucherin anwendet, um zu beurteilen, ob es sich um einen reaktiv (also gutartig) veränderten LK handelt oder um einen LK, der eventuell aufgrund einer Metastase verändert ist. Bei der LK Schwellung nach Covid-19-Impfung sind Veränderungen beschrieben, die Ähnlichkeiten mit einer Metastase (Absiedelung von Krebszellen) haben, obwohl diese „nur“ eine Reaktion auf die Impfung darstellen (1). In einer israelischen Studie, die dieses Phänomen systematisch untersucht hat, zeigten sich LK sowohl vergrößert als auch von der Struktur verändert. Diese Reaktion der LK hielt ca. 4-5 Wochen an (2). Was also tun?

 

Ich empfehle folgendes Vorgehen: Wenn, z.B. im Rahmen der Früherkennung, ein Ultraschall der Achselhöhle durchgeführt wird und dabei auffällige LK darstellbar sind und der Ultraschall der Brust unauffällig ist, sollte zunächst der zeitliche Zusammenhang zur Impfung eruiert werden. Sollte 4-6 Wochen vorher eine Covid-19-Impfung durchgeführt worden sein, empfehle ich zunächst eine Verlaufskontrolle nach weiteren 6 Wochen. Hat keine Impfung stattgefunden bzw ist diese länger her oder es befindet sich ein suspekter Befund in der Brust, sollte dieser und/oder der LK histologisch abgeklärt werden. Das heißt, es sollte eine Probe genommen werden. Dies kann unter lokaler Betäubung mittels Stanzbiopsie erfolgen und muss nicht offen operativ gemacht werden.

 

Auf diese Weise ist sichergestellt, dass keine unnötigen Interventionen erfolgen. Auf der anderen Seite eine suspekte Veränderungen aber auch nicht allzu schnell als harmlose Impfreaktion abgetan wird.

 

PD Dr.med. Verena Kirn

Leiterin Brustzentrum

 

Heilig-Geist Krankenhaus

Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln

Graseggerstraße 105

50737 Köln

 

Tel 0221 7491 - 8289

Fax 0221 7491 - 8052  

 

Die Frauenklinik Köln Brustzentrum

 

Quellen:

  • Waldorff A, Hammerle C. Lymphknotenmorphologie nach Covid-19-Vakzinierung. FRAUENARZT 2021, Heft Nr.7, S 468-471
  • Faermann R, et al. COVID-19 Vaccination Induced Lymphadenopathy in a Specialized Breast Imaging Clinic in Israel: Analysis of 163 cases. Acad Radiol. 2021 Sep;28(9):1191-1197

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