Wir stellen vor: Die psychoonkologische Beraterin

Als Nicole, die Prinzessin uffm Bersch, uns gefragt hat, ob wir die Psychoonkologische BeraterIn auf ihrem Blog vorstellen möchten, haben wir natürlich sofort „Ja klar!“ gesagt. Denn je mehr Krebsbetroffene (sei es als Patient oder Angehöriger) wissen, dass es psychoonkologische BeraterInnen gibt, was sie tun und wie sie ihnen während - und auch nach - einer Krebserkrankung helfen können, desto mehr können sich diese Unterstützung bewusst holen und müssen damit durch diese oft sehr schwere Zeit, nicht allein und unbegleitet gehen.

 

Eine Krebsdiagnose ist ein Schock, der das komplette Leben umwirft, der (Todes-)Angst macht. Das müssen wir euch nicht erzählen. Die Behandlung des Körpers steht dabei aus Ärztesicht oft an erster Stelle. In den letzten Jahren wurde aber immer mehr anerkannt, dass diese Erkrankung nicht nur körperlich behandelt werden muss. Seit 2014 gibt es eine sogenannte S3-Leitlinie, in der festgelegt ist, dass jedem Krebspatienten ein Angebot zur psychoonkologischen Begleitung gemacht werden soll. Leider bleibt es oft bei einem „sollte“. Entweder geht es im Eifer des Gefechts bei den Ärzten unter, der Schock ist zu groß, die Prioritäten liegen (noch) woanders, man hat noch nie von dieser Möglichkeit gehört, oder, sobald man aus der Klinik entlassen ist, findet man einfach keinen Therapeuten, der noch freie Termine hat. Und genau da kommt der/die Psychoonkologische BeraterIn ins Spiel.

 

Er/Sie begleitet Patienten – und/oder deren Angehörige! - vor, während und auch nach einer Krebserkrankung. Themen wie Angst, Frustration, Trauer, Verlust, Nebenwirkungen, Auswirkung auf das Umfeld, Kommunikation und Dinge, die die Genesung unterstützen können, werden in Beratungssitzungen besprochen und dabei gemeinsam nach Lösungen gesucht. Dabei hat der/die BeraterIn nicht zwingend eine medizinische Ausbildung, geht es doch vorrangig um die mentale Bewältigung der Erkrankung, die hauptsächlich ein offenes Ohr, viel Empathie und Herz, grundlegender Beratungs-Kenntnisse, Tipps, Tools und Hilfestellungen bedarf. Liegt allerdings eine psychische Erkrankung wie Depression oder Burnout vor, wird ein/e gute/r BeraterIn den Klienten an einen Therapeuten verweisen. Es ist wichtig zu wissen: Berater stellen keine Diagnosen und machen keine Therapiepläne!

 

Was passiert denn nun aber dann genau in einer Beratungssitzung und was kannst du dort erwarten?

 

Jede/r Berater/in ist natürlich individuell, genauso wie die KlientInnen, d.h., die Beratungssitzungen können ganz unterschiedlich ablaufen. Außerdem haben BeraterInnen verschiedene Stile, selbstgewählte Schwerpunkte oder vielleicht auch einfach ihre Lieblingsübungen. Wir können bei dieser Frage also nicht für alle Berater sprechen. Deswegen beschreiben wir das so, wie wir bei TBAcare unsere BeraterInnen ausbilden und/oder es selbst tun.

 

Wir verfolgen dabei einen ganzheitlichen Ansatz, d.h. wir betrachten alle Ebenen einer Person und die sozialen und gesellschaftlichen Faktoren, die auf diese Person einwirken. Dabei gehen wir auch davon aus, dass jeder Klient die Lösungen und Ressourcen, die er benötigt, bereits in sich hat. Deswegen sehen wir uns nicht als Problemlöser oder Lehrer, sondern eher als Impulsgeber. Wir versuchen neue Perspektiven, Konzepte und Denkansätze vorzustellen, aus denen sich der/die Klientin dann aussuchen kann, was in diesem Moment Resonanz findet und sich gut anfühlt.

 

Etwas, was immer ganz zentral bei Beratungen ist, sind die Ziele. Irgendetwas soll anders sein – ein anderes Gefühl, der Umgang mit etwas soll verbessert werden, es werden Lösungen für vielerlei Themen benötigt. Manchmal ist es aber schwer zu formulieren, wie es denn sein soll. Es fällt oft deutlich leichter zu sagen, wie es NICHT mehr sein soll.

 

Was wir dabei gerne verwenden ist die Wunderfrage!

 

Stell dir vor, über Nacht wäre eine Fee da gewesen und hätte alles so gemacht, wie du es gerne willst und nun wachst du morgens auf: Was ist dann anders? Wie fühlst du dich? Wie läuft dein Tag ab? Was tust du? Wo bist du, mit wem? Was ist dann präsent? Was ist dir wichtig an deinem Wundertag? Welche Werte lebst du?

 

Versuche hier bewusst die Dinge so zu beschreiben, wie es dann ist und was präsent ist und vermeide „nicht“-Formulierungen (z.B. Ich wache ausgeruht und erfrischt auf, die Sonne strahlt durch die Fenster und ich blicke zuversichtlich und voller Freude auf den kommenden Tag statt Ich wache auf und die Sorgen sind nicht mehr da, ich frage mich nicht mehr was heute wohl wieder Schlimmes passieren wird und bin nicht schon vor dem ersten Kaffee unruhig und am Zweifeln)

 

Aus diesen Antworten bauen wir den Leuchtturm des Klienten. Der Leuchtturm ist der Zustand, wo es hingehen soll. Nun lassen sich viele Dinge ableiten, die dann zum Beispiel einzeln bearbeitet werden können. Wie komme ich dahin? Was wäre der erste kleine Schritt in Richtung Leuchtturm? Wer oder was hindert mich daran? Wie gehe ich damit um? Die für den Klienten passenden Antworten auf diese und viele andere Fragen zu finden - dabei unterstützen und begleiten dich Psychoonkologischen BeraterInnen.

 

Dies ist nur eine Möglichkeit, wie Beratungen aufgebaut sein können. Berater lassen sich hier vom Klienten und dessen Anliegen leiten.

 

Wie ist das finanziell mit Beratungen?

 

Psychologen und Psychotherapeuten, die eventuell sogar eine Zusatzausbildung in Psychoonkologie haben, können die Sitzungen ganz einfach über die Krankenkasse abrechnen. Leider sind deren Terminbücher oft voll und die Wartelisten meist lang. Patienten bekommen dadurch die dringend benötigte Hilfe oft erst zu einem späteren Zeitpunkt. Psychoonkologische BeraterInnen versuchen diese Lücke zu schließen, fallen dabei aber in die gleiche Kategorie wie Heilpraktiker, Coaches, etc.. das bedeutet, eine Bezahlung über die Krankenkasse ist oft nicht möglich (aber auch da gibt es inzwischen auf Grund der fehlenden Psychoonkologen Ausnahmen). Die Preise pro Sitzung sind sehr unterschiedlich und werden vom Berater/der Beraterin selbst festgelegt. Wir handhaben diese Situation gerne, indem wir eine Preisspanne vorgeben und den Klienten selbst entscheiden lassen, was er bezahlen kann und möchte. So soll möglichst allen Krebsbetroffenen die Hilfe zuteilwerden, die sie sich wünschen und benötigen.

 

Du siehst also, dass Psychoonkologie als solches und die Beratungen im Speziellen als eine Art komplementäre Maßnahme zu der körperlichen Behandlung (oder eben auch danach) zu sehen ist. Wir konzentrieren uns als Berater auf das, was der Klient in diesem Moment tun kann und möchte. Bei einer Krebserkrankung fühlen sich viele Patienten erst einmal machtlos und als ob die Kontrolle über das eigene Leben komplett entglitten ist. Durch die Kommunikation, Ausrichtung auf Ziele und Lösungen kommen diese Patienten wieder ins Handeln. Dadurch verändert sich nicht nur das, was im Außen passiert, sondern vor allem auch die innere Einstellung. Und mit einem gestärkten und positiven Mindset lassen sich schwierige Zeiten leichter durchstehen.

 

Das wünschen wir uns für alle Krebsbetroffenen!

 

Die Vision unseres CEOs, Thomas Bach, macht deutlich, woran und wofür wir mit viel Herzblut und Energie arbeiten: "Mein persönlicher Wunsch ist, dass spätestens in 5 Jahren kein Krebspatient mehr unbegleitet seinen Weg durch die Krankheit gehen muss. Das Gefühl alleingelassen worden zu sein, wurde mir immer wieder geschildert. Daher bilde ich seit über 10 Jahren mutige Menschen zu psychoonkologischen BeraterInnen aus. Diese können schon zu Beginn einer Erkrankung positiv auf den Verlauf mit Einfluss nehmen, da sie helfen das Mindset und die Kompetenz im Umgang mit der Erkrankung positiv zu unterstützen.“

 

Wir können jedem Krebspatienten und auch jedem Angehörigen nur dringend ans Herz legen, den behandelnden Arzt nach psychoonkologischer Unterstützung zu fragen oder sich selbstständig auf die Suche danach zu machen. Und zwar so bald wie möglich (auch noch vor einer Diagnose, wenn nur ein Verdacht besteht).

 

 

Instagram via tba.care

 


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