Stereotype und repetitive Verhaltensweisen

"Warum baut Justin so gerne S C H R A N K E N?", werde ich häufig über Instagram gefragt, weil Justin nahezu jedes Wochenende, seine geliebten Schranken quer durch unsere Wohnung zu seinem Entzücken baut.

Justin ist ein frühkindlicher Autist, mit seinen ganz eigenen Ausprägungen aus dem Bereich der Autismus-Spektrum-Störungen, die bei jedem Autisten anders ausgeprägt sein können. Es gibt nicht D E N einen Autisten.

 

Das Justin so gerne Schranken baut, ist auf stereotype und repetitive Verhaltensweisen zurückzuführen. Betroffene verfügen über ein begrenztes Verhaltensmuster und alltägliche Handlungen werden oft starr und wiederholt durchgeführt. Solche Handlungen geben ein Sicherheitsgefühl und dienen auch der Stressbewältigung. Spontanität und Kreativität kommen bei den meisten Autisten nicht vor.

 

Als Justin sehr klein war, zeigte sich, dass er nicht wie andere Kinder spielen kann, er imitierte keine Handlungsweisen oder Verhalten von seinem Umfeld und ließ sich zudem in keine Spiele mit anderen Kindern einbeziehen. In Gruppen wirkte er wie ein kleiner Satellit, ganz allein auf seiner eigenen Umlaufbahn. Der Umgang mit anderen, ängstigte ihn oft. Bis heute...

 

Viele von uns wirken zu laut und unberechenbar in ihren Verhaltensweisen. Er versteht keine Ironie. Es fällt ihm schwer, Mimiken eindeutig zu interpretieren. Betrachtet er mich beispielsweise auf einem Bild, auf dem ich lache, interpretiert er dies mit weinen. Viele Berührungen sind ihm unangenehm. Rasieren und Duschen, bedeuten eine Herausforderung für ihn. Er schaut nahezu niemandem direkt in die Augen. Und doch, reagiert er äußerst emphatisch auf andere.

 

So reagiert Justin bis heute empfindlich auf Geräusche. Ein Ballon, kann eine Panikattacke bei ihm auslösen, weil dieser ja platzen könnte udm. Oft versteckt er seine Angst hinter einem scheinbaren Lachen. Wenn ich dieses eine Lachen erkenne, weiß ich, was ich zu tun habe.

 

Viele Autisten agieren sehr eingeschränkt, oft scheinbar fantasielos, manisch in ihrem handeln. Als kleines Kind hätte Justin stundenlang einen Lichtschalter betätigen oder dem Laufen einer Waschmaschine zusehen können. Er liebte es zu schaukeln. Wir verbrachten Stunden vor Bahnübergängen oder an den Schranken von Parkhäusern. Es gibt Handlungen und Geräusche, die ihn beruhigen. So ist es auch mit dem Schranken bauen. Es ist ein Ritual. Es schenkt ihm Freude und verankert ihn.


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