Beate – Tot sein kann ich morgen noch

Beate, fotografiert von Franziska Kraufmann
Beate, fotografiert von Franziska Kraufmann

Krebs bekommen die anderen. Ich doch nicht, dachte ich immer. Ich bin doch gesund. In meiner Familie gibt es keinen Krebs. Ich war die Erste.

 

Ich bin Beate Mäusle, 56 Jahre, verheiratet und habe einen erwachsenen Sohn. 2015 erkrankte ich an Brustkrebs. Der Tumor wurde durch das Mammographie-Programm für Frauen ab 50 Jahren entdeckt. Das bestätigt wiedermal, wie wichtig diese Programme und Früherkennung sind.

 

Die rauschende Party zu meinem fünfzigsten Geburtstag war gerade vorbei, als ich die unfassbare Diagnose erhielt. Im Moment der Wahrheit, dachte ich nur an meinen Sohn und meinen Mann. Wie sollte ich ihnen das Unfassbare sagen und was tat ich ihnen nur an? Mein ganzes Leben begann sich aufzulösen.

Obwohl meine Prognose gut war, rückte der Tod näher. Ich begann zu verhandeln: wenn ich schon sterben muss, dann bitte nach dem Abiball meines Sohnes. Der Abiball ist längst vorbei, ich lebe immer noch und bin wieder gesund. Soweit man das nach diesen Therapien und einer fortlaufenden Hormonbehandlung, wieder wird.

 

Ich stand die Operationen und die Therapien durch, bewältigte Tag für Tag. Ich bot dem Krebs die Stirn, kämpfte mich zurück ins Leben. Es war sehr wichtig für mich, meine Arbeit wieder aufzunehmen. Als ich nach vierzehn Monaten der Krankheit wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, habe ich das gefeiert. Endlich wieder Alltag! Vorbei waren die zähfließenden Tage der Krankheit. Oft saß ich Montags am Küchentresen, mein Mann fuhr zur Arbeit und mein Sohn rannte zum Schulbus. Ich saß ausgespuckt und wertlos mit meinen Schmerzen und meiner Glatze zuhause und wartete bis die Zeit verging. Endlich war das vorbei, das Leben konnte wieder beginnen.

 

Luxusproblem

 

Ich nahm meinen Beruf wieder auf und sah mich mit einem Luxusproblem der besonderen Art konfrontiert: 80 Tage Urlaub! Was sollte ich mit den vielen Tagen, die sich während meiner Krankheit angesammelt hatten, anfangen? Mein Arbeitgeber entwarf für mich einen Abbauplan. Der Vorschlag war, die Freitage frei zu nehmen. Schon klar. Die Arbeit von fünf Tagen in vieren erledigen. Das wollte ich nicht. Ich wollte nicht wieder nahtlos funktionieren. Es wieder allen recht machen, nur mir nicht. Erwarteten das alle von mir? Ich erlaubte mir, in mich hineinzuhören, was ich mit diesem Geschenk der vielen freien Tage anfangen wollte und erstellte die Bucket List meines Lebens. Ich wollte Dinge unternehmen, die meine Heilung unterstützten, denn fit war ich noch lange nicht.

 

Aufräumen

 

Während meiner Chemotherapie wollte ich den Tagen wenigstens minimalen Sinn geben und begann auszumisten. Mich von dem Zuviel zu trennen, von all den überflüssigen Dingen, die sich in den letzten Jahrzehnten angesammelt hatten. Das wollte ich schon seit Jahren, nie war Zeit dafür gewesen. Ich räumte also. Zimmer für Zimmer, von oben nach unten, habe ich mich durch unser Haus gepflügt. An manchen Tagen schaffte ich lediglich eine Schublade, an anderen gar nichts. Ich räumte und räumte und habe erst im Nachhinein verstanden, dass dies reine Therapie für mich war. Die Ordnung im Äußeren hat die Ordnung im Inneren angestoßen. Ordnung sei ein innerer Gemütszustand, ein Zeichen eines gesunden Geistes und einer glücklichen Psyche, sagen die Ordnungsexperten. Ich räumte mich gesund.

 

Reisen

 

Was im Äußeren begann, setzte sich im Inneren fort. Dabei halfen mir meine Reisen, die ich durch mein Luxusproblem unternehmen konnte.

 

  • Ich bin nach Venedig gereist und habe einen Sprachkurs besucht und brachte damit mein Chemohirn auf Vordermann. Die italienische Lebensfreude lies mich wieder leicht und fröhlich werden. Ich konnte wieder mit allen Sinnen genießen.
  • Schon immer wollte ich eine Ayurvedakur machen, wenn nicht jetzt, wann dann? Nichts mehr aufschieben! Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man seine Wünsche jetzt verwirklichen. Die Entgiftungskur in Indien hat mir geholfen, meine Chemogifte loszuwerden und entwickelte mich spirituell weiter.
  • Schließlich bin ich den Camino Portugues, den portugiesischen Jakobsweg; gepilgert und habe dabei entdeckt, dass Pilgern pure Meditation ist. Ich verabschiedete mich von alten Glaubenssätzen, Gefühlen, Zielen, Gram und Einstellungen. Die Zeit der Heilung war eine Reise vom Kopf zurück ins Herz.

 

Während meiner Reisen hatte ich so viele schöne,

tiefe menschliche Begegnungen, besonders beim Pilgern.

 

Buch

 

Damit meine Familie und Freunde über meine Abenteuer beim Pilgern gut informiert waren, habe ich meinen Blog Beate Mäusle  gestartet, der schnell viele begeisterte Leser bekam. Die wiederum ermunterten mich, ein Buch zu schreiben. Mein eBook „Tot sein kann ich morgen noch“ , das jetzt beim Parlez Verlag erschien ist, entstand letztendlich aus diesem Blog.

 

Das Buch erzählt meine ganz persönliche Heilungsgeschichte, meine inneren und äußeren Reisen seit meiner Diagnose. Meine Reise vom Kopf zurück ins Herz. Es ist das Buch, das ich gerne gelesen hätte, als ich so krank war. Es hätte mich getröstet, mich zum Lachen gebracht und mir Kraft gegeben.

 

Wenn mein Buch genau das bei nur einem Menschen leistet, hat sich die ganze Mühe gelohnt. Ich wünsche mir für mein Buch, dass es hinaus in die Welt geht und Mut macht und Kraft gibt. Es hat auch meinen ganzen Mut gebraucht, meine Geschichte öffentlich zu teilen. Denn Krebs und insbesondere Brustkrebs, ist heute immer noch ein Tabuthema. Kaum zu glauben.

 

Meine Geschichte gleicht ganz vielen und doch ist jede Geschichte höchst individuell. Ich war in einer Lebenssituation, die mir erlaubt hat, mich ganz auf mich zu konzentrieren. Das war ein großes Geschenk, fast schon ein Krebsgeschenk.

 

Auch für mich gibt es ein Leben vor und nach dem Krebs. Ich weiß nicht, wie viele Jahre mir noch bleiben, das weiß niemand. Ich weiß nur: das Leben ist bunt und es wartet darauf gelebt zu werden. Jeden einzelnen Tag. Machen wir glückliche Erinnerungen daraus!


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