Die Frage und ihre Herausforderungen: "Stell dich doch bitte vor!"

Gestern fand in einem Videocall für eine Patientinneninitative der Moment statt, der mich immer wieder über meine eigenen Füße stolpern lässt, wenn es heißt: “Stell dich doch bitte unseren Zuschauerinnen vor!“

 

Meist handele ich diese Frage kurz und knackig ab, weil es ja noch viel wichtigeres zu besprechen gilt, vor allem, wenn das Zeitfenster recht eng ist und die tatsächlichen Themen erst noch behandelt werden wollen. Der Teil, der für mein Befinden für andere den größeren Mehrwert beinhaltet.

 

Jetzt ist es nicht so, dass ich ungern über mich erzähle. Ganz im Gegenteil. Mir gelingt es in Vorträgen, Diskussionen, Lesungen, sozialen Medien und ähnlichem mehr immer wieder, Menschen zum Innehalten, zum Nachdenken bis hin zum Weinen zu bewegen, wenn ich ein bisschen mehr aus meinem und dem Leben meines Sohnes erzähle. Deshalb halte ich mich in persönlichen Gesprächen oftmals zurück, weil ich so manche Reaktionen nicht auslösen möchte, über die ich mir nur zu bewusst bin.

 

Dafür engagiere ich mich viel lieber an den unterschiedlichsten Stellen für die Interessen von Krebspatienten- und patientinnen sowie ihren Angehörigen. Und dank der Unterstützung und des Vertrauens von beeindruckenden Persönlichkeiten, Patientenorganisationen und Unternehmen habe ich mittlerweile die Möglichkeit meine Leidenschaft in einem viel größeren Kontext nach außen zu tragen, als ich es mir vor 10 Jahren hätte vorstellen können. Mir ist es wichtig, verständliche und emphatische Inhalte, nachhaltige Verbesserungen und Unterstützungsangebote für Menschen in einer schwierigen Lebenssituation mit auf den Weg zu bringen.

 

Lange Zeit war es mir auf Grund der Pflegesituation für meinen schwerbehinderten Sohn nicht möglich, mich beruflich in einem größeren Umfang auszuleben. Beruflich war ich im Bereich Verwaltung in Teilzeit tätig. Mit Sicherheit weit unter meinen Talenten und kreativen Potential, die es mir jedoch irgendwie ermöglicht haben, beide Lebensbereiche unter einen Hut zu bekommen. Im Rückblick betrachtet weiß ich selbst kaum noch woher ich die Kraft genommen habe, uns beide dabei nicht zu verlieren. War ich glücklich über meine berufliche Situation? Nein!

 

Tatsache ist:

 

„Mein Name ist Nicole, ich bin 2010 an Brustkrebs erkrankt und zudem eine der ersten Brustkrebsbloggerinnen im deutschsprachigen Raum!“

 

Das anfängliche Bloggen hat sich im Laufe der Zeit verändert, stetig weiterentwickelt und mir dabei ungeahnte Möglichkeiten erschlossen, über die ich heute sehr happy bin. Aber das wisst ihr ja, denn manch eine von euch begleitet uns seit vielen Jahren. Manch eine von euch habe ich persönlich kennenlernen dürfen. Zudem lernte ich in den vergangenen Jahren durch das Bloggen und mein Engagement großartige Menschen kennen, die ganz ähnliche Ziele verfolgen. Manche von ihnen darf nicht nur ich, sondern auch mein Sohn als Freund oder Freundin bezeichnen. Ein persönliches Geschenk...

 

Eine großartige berufliche Karriere kann ich nicht vorweisen. Im Bereich bloggen oder in den sozialen Medien bin ich ganz sicherlich nicht die lauteste Persönlichkeit und nehme mir aus den unterschiedlichsten Gründen immer wieder Auszeiten Es ist mir unangenehm aufzuzählen was ich erreicht habe oder an welchen Projekten ich mitwirke oder gewirkt habe, weil es in mir immer das Gefühl auslöst, eine Uffschöberin zu sein oder meine Authentizität dabei zu verlieren. Das mag ein Fehler sein. Aber einer, den man mir verzeihen mag. Denn was ist wirklich wichtig im Leben? So richtig wirklich? Das ist das Leben...

 

„Nichts ist absolut. Alles verändert sich, alles bewegt sich, alles dreht sich, alles fliegt und verschwindet." Frida Kahlo

 


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