Wenn wir die Diagnose Brustkrebs erhalten, richtet sich unser Blick zunächst auf Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung, moderne medikamentöse Therapien und bei einem hormonsensitiven Brustkrebs zudem auf die Antihormontherapie. Was viele anfangs nicht im Blick haben, das ist unsere Knochengesundheit.
Denn bestimmte Chemotherapien und vor allem die Antihormontherapie, beeinflussen den Hormonhaushalt. Dadurch kann sich ein Knochenabbau beschleunigen und das Risiko für Osteoporose steigen. Eine Osteoporose verursacht meist lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb sind Vorsorge und Knochendichtemessungen so wichtig, bevor erste Knochenbrüche auftreten.
Im Webinar der AGO Mamma stand vergangene Woche das Thema Nebenwirkungen im Mittelpunkt. Ein Schwerpunkt war die Knochengesundheit, ein Thema, über das ich als Diskutantin mit Prof. Dr. Fehm und Traudl Baumgart vom BZKF Netzwerk sprechen durfte. Die wichtigsten Punkte habe ich euch im folgenden zusammengefasst.
Vor Beginn der Antihormontherapie
- Lasst eine Knochendichtemessung (= DXA) vornehmen. Wichtig zu wissen: Nicht jede radiologische Praxis rechnet diese Untersuchung mit der gesetzlichen Krankenkasse ab. Deshalb solltet ihr vorher nachfragen, ob die Radiologie mit der KK abrechnet.
- Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel und eine gute Calciumversorgung unterstützen deine Knochengesundheit. Der Vitamin-D-Wert sollte per Blutuntersuchung bestimmt werden. Nur so lässt sich beurteilen, ob eine Substituierung notwendig ist. Calcium sollte möglichst über die Ernährung aufgenommen werden, beispielsweise durch Milchprodukte oder calciumreiches Mineralwasser. Auch fettreicher Fisch kann euch hierbei unterstützen.
- Regelmäßiges Krafttraining und knochenbelastende Bewegung wie zügiges Gehen, Treppensteigen oder Tanzen helfen dabei, deine Knochen zu stärken.
Wer hat ein erhöhtes Osteoporoserisiko?
Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem:
- Körpergewicht
- bestimmte Medikamente
- Vorerkrankungen
- familiäre Vorbelastung
- höheres Lebensalter
Je nach individuellem Risiko kann dein Behandlungsteam weitere Maßnahmen empfehlen. Für Frauen mit einem postmenopausalen Hormonstatus können zusätzlich sogenannte Bisphosphonate infrage kommen.
Als postmenopausal gelten in diesem Zusammenhang nicht nur Frauen nach den natürlichen Wechseljahren (letzte Periode liegt 12 Monate zurück), sondern auch Frauen nach Entfernung beider Eierstöcke sowie prämenopausale Frauen, deren Eierstockfunktion durch eine GnRH-Therapie unterdrückt wird.
Bisphosphonate werden seit vielen Jahren zur Behandlung der Osteoporose (Knochenschwund) eingesetzt. Sie hemmen die knochenabbauenden Zellen, die sogenannten Osteoklasten. Studien haben gezeigt, dass sie bei postmenopausalen Brustkrebspatientinnen nicht nur die Knochen stärken können. Sie senken außerdem das Risiko für Knochenmetastasen und verbessern langfristig die Prognose. Deshalb empfehlen die aktuellen Leitlinien der AGO (über den Link gelangt ihr zum Download des Patientinnenratgebers) ihren Einsatz für viele Patientinnen innerhalb dieser Gruppe. Evtl. interessant für dich: 2010 habe ich für drei Jahre im Abstand von sechs Monaten ein Zoledronat bei guter Verträglichkeit, erhalten.
Wichtig zu wissen für dich
Vor Beginn einer Bisphosphonattherapie sollte dein Zahnstatus unbedingt kontrolliert werden. Darüber wird dich dein Behandlerteam vor dem Start dieser Zusatztherapie aufmerksam machen. Falls eine Zahnsanierung notwendig ist, sollte sie möglichst vor Therapiebeginn abgeschlossen sein. Der Grund hierfür ist, dass in seltenen Fällen unter einer Bisphosphonattherapie eine Kiefernekrose auftreten kann.
Deshalb ist es wichtig:
- auf eine gute Zahn- und Mundhygiene zu achten
- regelmäßige Zahnarztbesuche wahrzunehmen
- den Zahnarzt immer über die Krebsbehandlung informieren, insbesondere über Bisphosphonate, aber auch über Chemotherapie oder eine Antihormontherapie
Bisphosphonate im Off-Label-Use
Seit 2024 gibt es einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der den Einsatz bestimmter Bisphosphonate in der adjuvanten Brustkrebstherapie im sogenannten Off-Label-Use ermöglicht.
Off-Label-Use bedeutet, dass ein bereits zugelassenes Medikament für einen Anwendungsbereich eingesetzt wird, der ursprünglich nicht Bestandteil der Zulassung war, siehe Osteoporose. Voraussetzung ist, dass für diesen Einsatz wissenschaftliche Belege vorliegen und der G-BA die Verordnungsfähigkeit unter bestimmten Bedingungen beschlossen hat. Dadurch können Patientinnen von einer evidenzbasierten Zusatztherapie profitieren.
Mein Appell an dich
Falls dein Behandlerteam das Thema Bisphosphonate bisher nicht angesprochen hat oder du diese Möglichkeit bislang nicht näher in Betracht gezogen hast, frage aktiv nach. Ob diese Therapie für dich sinnvoll ist, hängt von deinem individuellen Rückfallrisiko, deinem Hormonstatus und dem Status deiner Knochengesundheit ab.
Neue Daten zur Deeskalation bei Knochenmetastasen
Die SAKK 96/12 (REDUSE)-Studie konnte zeigen, dass nach einer dreimonatigen Initialphase mit monatlichem Denosumab eine Verabreichung alle zwölf Wochen den gleichen Schutz vor symptomatischen Komplikationen bietet wie die bisherige monatliche Behandlung. Gleichzeitig traten weniger Nebenwirkungen wie Hypokalzämien und Kiefernekrosen auf. Auch hier gilt: Sollte dein Behandlerteam hierüber noch nicht informiert sein, spreche dies unbedingt bei deinem nächsten Termin an.
Du möchtest alle Informationen zum Thema Knochengesundheit im neuen Webinar der AGO nachschauen? Über den Link gelangst du direkt zum Webinar der AGO mit dem Thema Nebenwirkungen vom 23 Juli. Scrolle hierzu bitte ein Stück auf der Seite der AGO nach unten.