Yvonne

Als ich auf dem Mamma Mia! Patientenkongress Nicole in die Arme gelaufen bin, habe ich mich riesig gefreut. Umso größer war die Freude, als sie mich gefragt hat, ob ich Lust hätte einen Gastbeitrag für ihre Seite zu schreiben. Ohne Stress und Druck habe ich das jetzt auch getan.

 

Mein Name ist Yvonne, Spitzname Vonni und ich bin mittlerweile 36 Jahre alt und habe einen fast 17 jährigen Sohn. Ich schreibe als Lachen gegen Krebs auf Instagram und Facebook.

 

Meine Krankengeschichte begann Ende 2015, ich war bei der jährlichen Krebsvorsorge bei der Frauenärztin und es wurde ein Abstrich gemacht. Nach 2 Wochen kam das Ergebnis und ich wurde darum gebeten, 6 Wochen später nochmal einen Kontrollabstrich machen zu lassen. Da habe ich mir noch nichts dabei gedacht. Doch leider hatte sich mein Wert in den 6 Wochen noch einmal verschlechtert und ich hatte einen PAP 4a-p.

 

Meine Ärztin hat mir erklärt, dass das in einer Spezialsprechstunde in der Klinik abgeklärt werden müsste. Da ich in der Uniklinik Jena den schnellstmöglichen Termin bekam, fuhr ich 2 Wochen später die 160 km dorthin.

Die Oberärztin in der Dysplasiesprechstunde klärte mich auf und riet mir zur Konisation. Dabei wird ein kegelförmiges Stück vom Gebärmutterhals entfernt.

 

So langsam fing ich an mir doch Sorgen zu machen. Doch sie konnte mich gut beruhigen. Also bekam ich einen Termin für den Eingriff und wartete anschließend auf das Ergebnis. Zwei Wochen später kam der Anruf. Es wurden Krebszellen gefunden und somit stand meine Diagnose fest: "Gebärmutterhalskrebs"

 

Da wir eigentlich mitten in der Kinderplanung waren, war das natürlich ein Riesenschock. Nach dem Aufklärungsgespräch in der Klinik fuhren wir nach Hause und wurden von meinem Sohn empfangen, der sich im Internet schlau gemacht hatte. Die wichtigste Frage für ihn war: "Wie ist die Überlebenschance?".

 

Die Ärztin hat mir 2 Möglichkeiten gegeben. Entweder die sichere Variante und die Gebärmutter inklusive Eileiter und Lymphknoten zu entfernen oder Gebärmutter erhaltend zu operieren, so dass ich noch Kinder bekommen konnte. Für mich eine schier unmögliche Wahl, die getroffen werden musste. Am Ende hat mein Sohn entschieden, indem er mich fragte, was er mit einem Geschwisterchen machen soll, wenn ich dann nicht mehr am Leben bin?

 

Also wurde alles Weitere mit den Ärzten besprochen und die OP geplant. Sie fand am 11.5.2016 statt, einen Tag vor meinem 33. Geburtstag. Mit dem Roboter DaVinci wurde ich 10 Stunden operiert und laut Professor wurde alles entfernt und ich sei jetzt krebsfrei und bräuchte keine weitere Behandlung mehr. Ich war erleichtert.

 

Bei der Anschlussheilbehandlung wollte ich körperlich wieder fit werden um danach sofort in meinen Beruf als Verwaltungsangestellte zurückkehren zu können, doch da machte mir mrin Körper und meine Psyche einen Strich durch die Rechnung. Also war ich erstmal Zuhause und lernte, mit dieser überstandenen Erkrankung umzugehen.

 

Ich stürzte mich in die ehrenamtliche Arbeit als Jugendfußballtrainerin und übernahm auch den Posten als Jugendleiterin. Ich war mind. 4x in der Woche auf dem Fußballplatz und habe die Jungs und Mädels trainiert, mir immer wieder neue Trainingsmethoden ausgedacht und habe versucht alles andere auszublenden.

 

Bis ich im August 2017 Schmerzen im Becken bekam und eine Entzündung ausgeschlossen werden konnte. Plötzlich begann wieder ein Untersuchungsmarathon in der Uniklinik Jena. Dort wurde ich in der Frauenklinik und dem Brustzentrum komplett auf den Kopf gestellt. Zum Glück fand man aber nichts zusätzliches. Die Ärzte sind trotzdem der Meinung, ich sei ein Phänomen. Nach der 2. Biopsie, die am offenen Becken durchgeführt wurde, wusste ich dann auch, dass es tatsächlich eine Metastase ausgehend vom Gebärmutterhalskrebs war. Also begann die Planung für die weitere Behandlung. 18x Chemotherapie und 25x Bestrahlung sollten diesem Mistding den Garaus machen.

 

Doch was mir auch plötzlich Angst machte, war die Aussage unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Um das alles erstmal sacken zu lassen, fuhr ich mit meiner Familie noch einmal zum Kraft und Sonne tanken.

Am 18.4.18 bekam ich dann meinen Port gelegt und am 19.4.18 begann die erste Chemotherapie. Diese Tortur erfolgte ab sofort 1x wöchentlich, alle 3 Wochen musste ich über Nacht bleiben, da hier die Chemo frühs um 4 Uhr begann. Ich vertrug es soweit ganz gut, war hauptsächlich hundemüde und besaß kaum noch Kraft. In dieser Zeit war meine Mutter jede Woche ein paar Tage rund um die Uhr bei mir.

Zur Halbzeit rieten mir die Ärzte zu einer Pause. Also fuhr ich mit meinen Eltern und meinem Sohn 2 Wochen zum Campen an die Ostsee. Dort ging es mir relativ gut und ich konnte so ausspannen, dass beim Zurückkommen meine Blutwerte die eines gesunden Menschen waren. Also konnte die Chemotherapie weitergeführt werden.

 

Im November und Dezember fand die Bestrahlung statt, auch das habe ich soweit gut rumgebracht.

 

Im Januar durfte ich dann zur Anschlussheilbehandlung nach Tannheim fahren. Dort gibt es eine spezielle Gruppe die sich Reha 27plus nennt. Für mich vom Alter genau richtig. Die 4 Wochen haben mir sehr gut getan, auch wenn ich festgestellt habe, wie wenig belastbar ich doch bin. Ich hatte die Folgen der Akuttherapien einfach unterschätzt.

 

1/4 Jahr nach den Akuttherapien war die erste Kontrolle. Die Metastase ist verkapselt und arbeitet nicht mehr. Was für eine Erleichterung. Damit nichts Neues auftaucht, bekomme ich seitdem alle 3 Wochen Antikörpertherapie und eine Knochenspritze. Das scheint wohl gut zu wirken. Jedoch hat mich die Fatigue noch gut im Griff und auch die Schmerzen im Becken, die aufgrund des entstandenen Knochenkanals auftreten, machen mir sehr zu schaffen. Deshalb musste ich auch meinen Job als Jugendfußballtrainerin an den Nagel hängen, was mich immer noch schmerzt.

 

1/4 jährlich muss ich jetzt zur Kontrolle und 1x im Jahr zum PET CT. Davor habe ich natürlich jedesmal ein komisches Gefühl.

 

Was mir der Krebs aber niemals nehmen konnte, war mein Optimismus und mein Lachen. Ich schaffte es sogar, während der Chemotherapie andere Patientinnen so zu unterhalten, dass sie Lachen konnten. Ich habe mir kleine Oasen geschaffen, mir kleine und auch größere Ziele gesetzt und ich war stolz wie Oskar, als ich etwas erreicht hatte, worauf ich mich gefreut habe.

 

Mittlerweile bekomme ich Erwerbsminderungsrente und versuche auf meinem Blog aufzuklären und Mut zu machen. Ich suche noch meine Berufung und meinen Platz im Leben, aber ich bin guter Dinge, dies auch alles zu erreichen.

 

Ich habe durch die Erkrankung wunderbare Menschen kennengelernt, die ich anderenfalls nicht getroffen hätte, aber natürlich sind auch Freundschaften zu Ende gegangen, weil ich mich aufgrund der Erkrankung verändert habe und manche damit nicht umgehen können. Ich lerne Nein zu sagen und habe jetzt auch beim Healing Wochenende von Lebensheldin e.V. gelernt, dass ich alte Glaubenssätze gehen lassen kann und sie durch neue Glaubenssätze ersetzen kann.

 

Seitdem ich krank bin, habe ich gemerkt, wie wenig doch über die Erkrankung an sich aufgeklärt wird und das möchte ich gerne ändern. Ich möchte gerne auch das Tabu brechen und zeigen, dass man trotz Krebs noch gut leben kann, auch wenn man Einschränkungen hat.

 

Ich will mich nicht nur durch diese Krankheit definieren lassen, denn ich bin viel mehr als nur die Krebskranke. Ich kann motivieren, aufbauen, Glück verbreiten, ein Strahlen im Gesicht meines Gegenübers verursachen, kreativ sein und vieles mehr. Ich genieße mein Leben, gehe jetzt öfter mal übers Wochenende mit meiner Familie weg, fahre in den Urlaub und lebe mehr im Hier und Jetzt, was ich früher nicht so getan habe.

 

Verändere die Welt mit deinem Lachen und lass nicht die Welt dein Lachen verändern!


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